Wie man das Schreiben leichter nimmt

Ich bin unglaublich anfällig dafür, Dinge ernst zu nehmen.

Schon als Teenager war ich immer diejenige, die in der Ecke saß und sicher gestellt hat, dass der Lehrer auf der Klassenfahrt nicht merkt, dass die Hälfte seiner Schüler stockbesoffen sind. Dass niemand im Übermut in den Fluss springt.

Oder sich Puderzucker durch die Nase zieht.

Fragt nicht, okay?

Meinen Hang zum Perfektionismus habe ich natürlich auch in mein Erwachsenenleben mitgetragen und obwohl er mir sonst gute Dienste leistet, ist er in der kreativen Arbeit so ziemlich… na ja, lassen wir uns „schwierig“ sagen.

Denn wann immer wir etwas Kreatives machen, tun wir es zwei Mal: Einmal im Kopf und einmal in Echt. Und, sein wir ehrlich, die beiden Varianten gleichen einander in etwa so viel wie Tundra und Regenwald.

Der ewige Vergleich zwischen den beiden Varianten ist aber nicht das Einzige, was uns den Schlaf raubt. Nach einer Weile findet man sich schließlich damit ab, dass es eine gewisse… Übertragungsfehlerhaftigkeit im kreativen Prozess gibt. Aber es stellt sich dann natürlich immer die Frage:

Welche Fehler lasse ich zu? Welche versuche ich auszumerzen? Ist das Gebilde auf dem Papier (oder dem Bildschirm) wirklich nah genug an dem Bild in meinem Kopf dran? Was kann ich noch besser machen?

Wann ist die Geschichte endlich perfekt?

Ich kann stundenlang an so einer inneren Diskussion sitzen und sie bringt mich doch nicht weiter. Manchmal verzweifle ich regelrecht daran.

So habe ich zum Beispiel gestern bemerkt, dass ich in Nebelfäden bei einer der Geschichten vergessen habe, ein Wort zu ändern. Es ist kein großes Wort, es ist sicher nicht schlimm und außer mir und einer weiteren Person wird es niemandem auffallen, aber das macht die Geschichte ein bisschen schlechter als sie hätte sein können.

Der Perfektionist in mir weint.

Aber mein Trotz lacht.

Wen interessiert’s?

Ich habe schon vor längerer Zeit ein Interview mit einer Autorin gehört (ich schwöre, irgendwann merke ich mir, wer was sagt) und eine ihrer Aussagen hat mein Leben verändert:

„Wir sind keine Ärzte. Wenn wir ein falsches Wort benutzen oder ein falschen Cover haben oder einen Rechtschreibfehler im dritten Absatz… es stirbt niemand.“

Es stirbt niemand.

Meine Geschichten, so wichtig wie sie dem Perfektionisten in meinem Herzen sind, entscheiden nicht über Leben und Tod. Es gibt überhaupt keinen Grund, sie so ernst zu nehmen.

Das bedeutet nicht, dass ich jetzt jede Geschichte im ersten Entwurf hinrotze und euch vor die Füße werfe. Natürlich möchte ich sie weiterhin so gut machen, wie ich kann.

Aber fertig ist besser als perfekt.

Meine Sammlung Nebelfäden ist auch so ein Beispiel: Ich habe die Veröffentlichung gut zwei Monate vor mir her geschoben. Das Cover stand schon, der Klappentext auch. Um das Korrektorat habe ich mich lange gedrückt, bis ich es endlich angeschoben hatte.

Aber mein Perfektionist wollte nicht.

Er wollte das Buch nicht auf die Welt loslassen, weil er sicher war, es sei nicht gut genug. Irgendwas musste noch besser werden.

Solange ich nicht wusste was, sollte ich es doch lieber für mich behalten.

Ich habe einen Anstoß bekommen und in dem Moment fiel mir der Satz wieder ein: Es stirbt niemand.

Jetzt ist es draußen und ich habe bislang viel positives Feedback bekommen.

Und niemand hat mich auf das falsche Wort angesprochen.

Ich versuche, den Satz auch in meinem privaten Leben mehr zu verwenden. Manche Dinge müssen einfach gemacht werden, auch wenn sie einem Angst machen.

Eine Schrankwand zum Sperrmüll fahren, zum Beispiel. Einen Freund bitten, beim Aufbau neuer Möbel zu helfen. Eine Bohrmaschine zu benutzen.

Ja, ich gebe zu, ich bin ein Angsthase. Aber der Angsthase lässt sich mit dem Satz ganz gut beruhigen.

Ohne diesen Satz hätte ich wahrscheinlich jetzt immer noch den DDR-Kleiderschrank in meiner Wohnung stehen…

In diesem Sinne: Macht etwas Neues. Schreibt eine Geschichte. Malt ein Bild. Fahrt zum Sperrmüll. Geht alleine in ein Museum.

Traut euch.

Es stirbt niemand, wenn ihr etwas falsch macht.

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Das Schöne am Frühjahrsputz ist der frische Geruch

Frühjahrsputz.

Ich bin eigentlich kein großer Fan davon, muss ich gestehen. Ich habe die Fenster meiner Wohnung bislang vielleicht zweimal geputzt — und sie sahen hinterher immer schlimmer aus als vorher.

Aber ich verstehe Einiges vom Ausmisten.

Vor zwei Jahren habe ich meine Wohnung nahezu grundentrümpelt und ertappe mich auch jetzt wieder dabei, wie ich jedes Stück Eigentum in meinem Bücherregal hinterfrage.

Ja, auch die darin befindlichen Bücher.

Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum ich in der letzten Woche auch Words I Weave genauer unter die Lupe genommen habe.

Nach 2 Jahren hatte sich hier viel angesammelt.

Das meiste davon war noch auf einem Teil der Seite, den ihr gar nicht seht. Denn als ich 2015 meinen Entschluss fasste, dass ich monatlich eine Kurzgeschichte veröffentlichen will, habe ich noch auf Englisch geschrieben. Erst Mitte 2016 habe ich dann in meine Muttersprache gewechselt und nun meine erste Kurzgeschichtensammlung auch auf Deutsch veröffentlicht.

Das war sicher der Auslöser: Mit der Veröffentlichung der Sammlung habe ich einige Dinge an der Website bearbeitet und bin dabei natürlich immer wieder über diese alten Posts und Seiten gestolpert.

Wozu hatte ich die eigentlich noch?

Es ist ja nicht so, dass ich 2015 mit einem lauten Knall in der Autorenwelt aufgeschlagen bin und der englische Website-Teil einen wahnsinnigen Traffic bekommen hat. Selbst wenn es zu dem Zeitpunkt so gewesen wäre, dann ist dort ja seit gut neun Monaten Funkstille und damit hat sicher auch der letzte Interessent an meinen Geschichten das Weite gesucht.

Natürlich gehört es zu mir und zu meiner Entwicklung als Autorin. Ich habe in dieser Woche jede meiner alten Kurzgeschichten noch einmal gelesen.

Sie waren okay, würde ich sagen.

Sie waren ganz anders als das, was ich jetzt schreibe. Kürzer, zum einen, aber auch losgelöster.
Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass man sich für seine alte Kunst immer ein bisschen schämt. Das muss auch so sein, denn man lernt ja mit jeder Geschichte etwas dazu.

Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass viele der Geschichten damals schon nicht so gut geworden sind, wie sie hätten sein können. Der Zeitdruck war einfach zu hoch und die Geschichten dadurch zu kurz.

Das kann ich besser, dachte ich in dieser Woche.

Und weil ich mich immer noch vor dem Morpheus-Projekt drücke, habe ich direkt mal angesetzt.
Ich habe mir meine Lieblingsideen herausgepickt und werde sie neu aufsetzen. Ich bin sicher, dass ich so Stück für Stück wieder in meine Schreibgewohnheit komme.

Und für euch hat das natürlich den Vorteil, dass es neue Kurzgeschichten gibt. Schon bald.

Hier auf dem Blog.

Apropos Kurzgeschichten: Welche der Geschichten aus Nebelfäden ist denn eure Lieblingsgeschichte? Schreibt mir in den Kommentaren?

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Alles neu macht der Mai.

Der Alternativtitel für den Blogpost diese Woche war: Kühl und dunkel und ein paar Worte.

Denn ungefähr so verliefen die vergangenen Tage für mich. Wie letzte Woche schon angekündigt habe ich es nach all dem Trubel im April sehr ruhig angehen lassen. Und, oh Wunder, mein Gehirn funktioniert langsam wieder normal.

Der Drang, mich heulend auf den Boden zu werfen, wenn das Papier nicht von allein in den Papierkorb will, hat exponentiell nachgelassen.

Mit der lang ersehnten Ruhe und Entspannung kam auch langsam meine Kreativität zurück. Es ist wohl kein Wunder, dass ich bei all dem Lärm im Kopf nicht richtig klar darüber wurde, was ich denn als nächstes Projekt angehen will.

Das Problem der langen Pause

Nun habe ich aber schon mehrere Wochen nicht mehr aktiv geschrieben. Ich habe mir die schöne Schreibroutine, die ich mir so mühsam erarbeitet habe, wieder entwöhnt. Und so sehr ich es in den letzten Tagen krampfhaft versucht habe, so schnell komme ich auch nicht wieder rein.

Deshalb bin ich ganz froh, dass ich gestern ein paar Notizen für neue Kurzgeschichten gemacht habe. Mehr nicht. Nur Notizen, eine neue Scrivener-Datei, eine Outline für die erste Geschichte.

Ich fange wieder klein an.

Der restliche Plan

Nachdem ich ja nun im April meine erste Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht habe („Nebelfäden“ ist auf Amazone erhältlich!!!), möchte ich auch dieses Jahr ein paar Kurzgeschichten veröffentlichen.

Allerdings wird das wohl erst im 2. Halbjahr soweit sein. Ähnlich wie letztes Jahr ist der Plan dann, monatlich eine zu veröffentlichen und die dann in eine Sammlung zusammenzufassen.

Desweiteren plane ich ja noch immer an meiner langen Geschichte. Aber bevor ich jetzt wieder optimistisch behaupte, dass ich sie auf jeden Fall weiter schreiben werde, gehe ich das jetzt anders an: Ich lese gerade wieder mein Lieblings-Plotting-Buch („Take off your Pants“ von Libbie Hawker) und werde mal schauen, ob die Idee noch in mir lebt. Falls nicht, werde ich mir eine andere suchen.

Auf, auf

Aber nun geht es in den Sonntag. Die To-Do-Liste steht — und darauf ist auch deutlich der Mittagsschlaf gekennzeichnet; Ruhe ist wichtig.

Euch einen fantastischen Start in die Woche!

Und falls ihr gar nicht wisst, was ihr heute noch machen sollt… ich habe das was zu Lesen für euch.

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