12in12 – Die hohe Kunst der Zielsetzung

12in12

Als ich Ende 2014 entschied, dass ich im Folgejahr jeden Monat eine Kurzgeschichte auf meinem Blog veröffentlichen würde, hielt ich das für ein relativ gut erreichbares Ziel.

Ich hatte zwar einen Vollzeitbrotjob und auch nebenbei noch ein paar andere Verpflichtungen, aber ich dachte mir, dass ich das in ein-zwei Stunden am Wochenende locker hinbekommen würde. So einfach war es dann doch nicht. Vor allem im zweiten Halbjahr war ich oft spät dran mit der Geschichte und musste mich dann ganz schön beeilen, um alles rechtzeitig fertig zu bekommen.

Am Ende konnte ich 13 Kurzgeschichten in 13 Monaten vorweisen und wusste: Deadlines sind mein bester Freund.

Hätte ich mich nicht dazu verpflichtet — gut, zwar nur gegenüber einigen anonymen Lesern auf einem kleinen Blog im großen, weiten Internet; aber immerhin — jeden Monat eine Kurzgeschichte zu veröffentlichen, hätte ich es oft genug einfach nicht getan. Das ganze Vorhaben wäre sicher genauso wie all die Jahre davor wieder im Sande verlaufen.

Genau genommen hatte ich auch nicht nur 13 Kurzgeschichten vorzuweisen, sondern sogar mehr als 15. Denn ich hatte noch einige Geschichten „im stillen Kämmerlein“ geschrieben, die ich an Magazine zur Veröffentlichung gesendet habe. Die hatten zwar keinen Erfolg und lungern jetzt noch ein wenig auf meiner Festplatte, aber geschrieben sind sie.

Und das war am Ende auch mein Ziel: Ich wollte lernen, Geschichten zu ende zu bringen.

Nun kann man sich darüber streiten, ob meine Geschichten bislang wirklich „zu ende“ gebracht wurden. Es gab bislang schon mehrfach das Feedback, dass ich doch eine bestimmte Geschichte nicht so enden lassen konnte, dass der Leser mehr erfahren wollte aus der Welt, die ich da erschaffen hatte. All diesen Lesern sei gesagt: Ich möchte natürlich sehr gern noch längere Geschichten schreiben, habe sogar etwas in Planung, das im vierten Quartal dann geschrieben werden soll (wenn ich die restlichen Kurzgeschichten für dieses Jahr fertig habe).

Im Zusammenhang mit meinem 12in12-Projekt und längeren Geschichten bin ich auf Jacky Vellguth gestoßen.

Jacky bloggt auf www.schriftsteller-werden.de über das Schreiben und hat sich für dieses Jahr ihr eigenes, sehr viel ambitionierteres 12in12-Projekt vorgenommen. Jacky schreibt 12 Bücher in 12 Monaten.

Richtig, 12 normal lange Bücher in 12 Monaten. Sicherlich ist da kein Fantasyepos dabei, aber ihre Geschichten haben deutlich mehr als die 3.500 Wörter meiner Geschichten. Bislang hat sie ihren Zeitplan auch eingehalten und seit Jahresbeginn sechs Bücher veröffentlicht; das siebte ist auch schon in Arbeit.

Vor kurzem hat sie dazu ihren Halbzeitbericht veröffentlicht, den ihr hier lesen könnt.

Da ziehe ich (nicht ganz neidlos) meinen imaginären Schreibhut. Allein sechs Bücher in sechs Monaten zu veröffentlichen, ist eine große Tat, die sicherlich ohne Deadlines nicht möglich wäre. Denn ohne ein ambitioniertes Ziel ist das Nichtmachen ganz oft leichter als das Machen.

Sie sagt selbst:

Ich war nie besonders diszipliniert. Um ehrlich zu sein, kann ich eine verdammt faule Socke sein. Dieses Projekt ist das ultimative Training. Ich muss jeden Tag schreiben und ich muss jeden Tag viel schreiben. Und wenn ich mir tatsächlich mal einen faulen Lenz mache, bezahle ich dafür später, und zwar mit jede Menge Schweiß. Deshalb ist so ein dicht gedrängter Zeitplan der ultimative Schleifer und ich bin überzeugt, das mir das noch oft helfen wird.

Mich spornt Jackys Beispiel erneut an. Es ist Sommer und da ist es für mich zugegebenermaßen etwas schwierig, drinnen am Laptop zu sitzen und zu tippen. Da ruft das Freibad einfach zu laut meinen Namen. Im Juli habe ich nicht annähernd so viele Schreibtage eingelegt, wie geplant. Dazu aber nächste Woche mehr.

Keine Sorge, ich versuche jetzt nicht plötzlich noch vier Bücher dieses Jahr zu schreiben. Ich habe schließlich noch immer einen Brotjob, der ist noch immer in Vollzeit (sogar mit mehr Stunden als letztes Jahr) und ich habe auch noch immer ein paar andere Verpflichtungen.

Aber aus Jackys Halbzeitpost nehme ich eins mit: Das wichtigste ist es, sich jeden Tag hinzusetzen und ein bisschen was zu machen.

Für mich ist das nämlich immer noch das Schwerste: sich einfach hinzusetzen und loszulegen.

Anfangs klingt eine halbe Stunde immer sehr lang, aber wenn ich dann im Schreibfluss bin, klingelt der Wecker schneller als ich dachte. Es ist eben wie beim Joggen: Der schwerste (und wichtigste) Schritt ist immer der erste aus der Tür. Danach geht’s ganz einfach.

Aber es muss nicht jeden Tag eine halbe Stunde sein. Eine Viertelstunde reicht auch schon aus, denn das sind meist etwa 400 Wörter für mich. Wenn ich die jeden Wochentag schreibe, habe ich am Ende der Woche 2.800 Wörter; also etwa eine Kurzgeschichte. So viel schaffe ich am Wochenende nur, wenn ich mich wirklich zwinge.

Mit anderen Worten: Schaut bei Jacky vorbei. Sie schreibt ebenfalls ein bisschen Sci-Fi aber vor allem Liebesgeschichten (für alle, die etwas mehr Herz in ihrem Lesestoff benötigen). Buch Nummer sieben soll wohl ein Drama werden; sie probiert sich in den Genres also noch etwas aus.

Und dann freut euch auf den 14. August, denn da kommt die zweite Kurzgeschichte für dieses Jahr raus. Kleiner Vorgeschmack gefällig? Hier schon mal vorab der Titel:

In Tenebris Veritas

Bis dahin euch eine schöne Woche!

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