Auf Herz und Nieren – Eine Mikrogeschichte

Habe Moppel auf Herz und Nieren geprüft. Alles i. O. Bin 15 Uhr zurück.

Der knittrige Zettel mit der krakeligen Handschrift meines Mannes lag auf dem Küchentisch. Ich konnte den Blick nicht davon lösen. Es war Pauls Idee gewesen, unser Auto Moppel zu nennen. Das komische, scharrende Geräusch hatte mich schon wochenlang verrückt gemacht. Doch Paul hatte gemeint, das sei nicht so schlimm. Er kannte sich aus mit Autos.

Der Polizist stand unschlüssig im Türrahmen. Ich hatte ihn herein gebeten, ihm die Tasse Kaffee nahezu aufgedrängt. Er beobachtete, wie ich blicklos das Pulver in die Maschine schüttete.

„Er wollte in die Stadt zum Einkaufen“, sagte ich und der Polizist nickte. Er wusste sicher, wohin mein Mann unterwegs gewesen war. Die Landstraße, auf der der Unfall passiert war, führte nur in eine Richtung. „Er hätte Kuchen mitgebracht.“

„Setzen Sie sich doch“, sagte er und zog mir einen der Holzstühle zurecht. Auch die hatte Paul ausgesucht.

Alles i. O.“, las ich vor. Wieder nickte der Polizist. Er nahm die Kanne aus der Maschine und goss mir eine Tasse ein. Er selbst trank nichts.

„Ich fürchte…“, begann er, als ich die ersten Schlucke getrunken hatte. „Ich muss Sie bitten, mir etwas zu geben, anhand dessen wir einen DNA-Test durchführen können. Eine visuelle Idenzifizierung ist aufgrund des Feuers nicht mehr möglich.“

Auf Herz und Nieren geprüft, hatte Paul geschrieben.

Aber anscheinend nicht auf die Bremsen.


Die Mikrogeschichte hat weniger als 250 Wörter und wurde vom Thema „Herz“ der Geschichten-Plattform Sweek inspiriert.

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