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Neuerscheinung: Regenlichter

Wie schnell die Zeit doch vergeht.

Meine letzte Kurzgeschichte hier auf dem Blog liegt schon eine Weile zurück und der geneigte Blog-Besucher könnte meinen, dass ich in der Zwischenzeit untätig war. Doch ich kann euch beruhigen: War ich nicht 😉

Im Gegenteil. Heute kann ich euch nämlich meine neue Kurzgeschichtensammlung vorstellen, die eben erschienen ist:

Neun Kurzgeschichten.

Für morgens. Für abends. Für zwischendurch.

Max, der an ungewöhnlicher Stelle nach seiner Zukunft sucht.
Celia, die nicht gefunden werden will.
Anne, die nicht weiß, wonach sie suchen soll.

Diese und sechs weitere spannende Kurzgeschichten führen den Leser auf eine immer neue Reise. Zwischen all den mysteriösen Kreuzungen und Wirrungen stellt sich immer wieder die entscheidende Frage:

Führen die Lichter in der Dunkelheit ans Ziel oder in die Irre?

Regenlichter enthält wie auch sein Vorgänger Nebelfäden neun Kurzgeschichten, für die ihr jeweils maximal 20 Minuten Lesezeit am Stück benötigt. Ideal also für die Wartezeit beim Arzt, die Busfahrt auf Arbeit oder einfach mal für zwischendurch.

Die Sammlung ist in allen deutschen Buchhandlungen erhältlich, zum Beispiel:

BOD-Shop  Amazon  Thalia  Hugendubel

Was sagt ihr zum Cover und den neuen Geschichten?

Auf Herz und Nieren – Eine Mikrogeschichte

Habe Moppel auf Herz und Nieren geprüft. Alles i. O. Bin 15 Uhr zurück.

Der knittrige Zettel mit der krakeligen Handschrift meines Mannes lag auf dem Küchentisch. Ich konnte den Blick nicht davon lösen. Es war Pauls Idee gewesen, unser Auto Moppel zu nennen. Das komische, scharrende Geräusch hatte mich schon wochenlang verrückt gemacht. Doch Paul hatte gemeint, das sei nicht so schlimm. Er kannte sich aus mit Autos.

Der Polizist stand unschlüssig im Türrahmen. Ich hatte ihn herein gebeten, ihm die Tasse Kaffee nahezu aufgedrängt. Er beobachtete, wie ich blicklos das Pulver in die Maschine schüttete.

„Er wollte in die Stadt zum Einkaufen“, sagte ich und der Polizist nickte. Er wusste sicher, wohin mein Mann unterwegs gewesen war. Die Landstraße, auf der der Unfall passiert war, führte nur in eine Richtung. „Er hätte Kuchen mitgebracht.“

„Setzen Sie sich doch“, sagte er und zog mir einen der Holzstühle zurecht. Auch die hatte Paul ausgesucht.

Alles i. O.“, las ich vor. Wieder nickte der Polizist. Er nahm die Kanne aus der Maschine und goss mir eine Tasse ein. Er selbst trank nichts.

„Ich fürchte…“, begann er, als ich die ersten Schlucke getrunken hatte. „Ich muss Sie bitten, mir etwas zu geben, anhand dessen wir einen DNA-Test durchführen können. Eine visuelle Idenzifizierung ist aufgrund des Feuers nicht mehr möglich.“

Auf Herz und Nieren geprüft, hatte Paul geschrieben.

Aber anscheinend nicht auf die Bremsen.


Die Mikrogeschichte hat weniger als 250 Wörter und wurde vom Thema „Herz“ der Geschichten-Plattform Sweek inspiriert.

Pfefferkuchenhaus – Eine Kurzgeschichte

Seit Hänsel und Gretel die Hexe getötet und zurück in ihr Heimatdorf gekehrt sind, herrscht eine erleichterte Stimmung. Auch bei Paul und Lisa, die sich im Wald verlaufen haben. Denn wenn die Hexe tot ist, kann das Haus, vor dem sie stehen, unmöglich gefährlich sein. Oder doch?

Lesedauer ca. 18 Minuten


„Ich glaube nicht, dass Hänsel die Hexe in den Ofen geschubst hat.“

Die Baumrinde unter Lisas Händen fühlte sich rau an. Die Kälte machte ihre Haut anfälliger für die Splitter und Spitzen des Holzes. Hier unter der Tanne lag wenigstens kein Schnee und so hatten ihre Schuhe vielleicht die Möglichkeit ein wenig zu trocknen. Neben ihr stieß ihr Bruder Paul ein Lachen aus, das sich prompt in ein keuchendes Husten wandelte.

„Natürlich hat er das“, sagte er.

„Aber er war doch eingesperrt.“

Lisa rieb ihre kalten Hände aneinander. Paul tat es ihr nach. Sein Schal hatte in diesem Winter noch einige Löcher mehr bekommen.

„Er hat sich eben vorher befreit.“

Seit Hänsel und Gretel vor einigen Wochen wieder in das Dorf zurück gekehrt waren, gab es kein anderes Gesprächsthema mehr. Alle wussten, dass im Wald eine Hexe lebte, die sich immer mal wieder Kinder holte. Kinder, die im Wald nicht aufpassten, vom Weg abkamen oder nach Sonnenuntergang noch in der Dunkelheit herum stromerten. Die Kinder verschwanden spurlos. Wie Thomas damals.

Bislang war noch keines der Kinder zurück gekehrt.

„In jedem Fall ist die Hexe tot“, sagte Lisa schließlich beschwichtigend.

„Genau“, sagte Paul.

„Also ist das Haus leer.“

Sie starrten an dem Tannenstamm vorbei auf die Lichtung. Das Haus, das dort stand, war in den tollsten Farben bemalt und trotz des tiefen Winters lag auf der Wiese keine einzige Schneeflocke. Im Gegenteil, einige der Obststräuche schienen Früchte zu tragen. Keine zehn Meter von Lisa und Paul entfernt stand ein Rosenbusch in voller Blüte. Während die Bäume im Dorf alle Blätter verloren hatten und unter einer dicken Schneeschicht begraben waren, bewegten sich die grünen Baumkronen auf der Lichtung in einer leichten Brise. (mehr …)