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Reinigung – Eine Kurzgeschichte

Ich sollte grundsätzlich nicht ans Telefon gehen, wenn ich nicht weiß, wer dran ist. Und ich sollte grundsätzlich nichts tun, was mir ein Unbekannter nachts am Telefon ins Ohr flüstert. Aber ich konnte nicht anders. Nicht, wenn er die richtigen Dinge flüstert…

Lesedauer ca. 12 Minuten


Ich bin schon etwa fünf Sekunden wach, bevor mein Telefon klingelt. Die Luft in meinem Zimmer steht, obwohl ich alle Fenster geöffnet habe. Die Gardinen bewegen sich langsam mit dem Luftzug, der leider nur die Wärme von draußen mit hinein bringt. In der Dunkelheit leuchtet das Display und blendet meine Augen. Ich sehe nicht, welche Nummer anruft, und nehme trotzdem ab.

„Was?“, frage ich schroff.

Am anderen Ende der Leitung höre ich ein röchelndes Atmen. Ich bereue, ans Telefon gegangen zu sein. Was zur Hölle?

„Lia.“ Die Stimme, die plötzlich in mein Ohr haucht, klingt vertraut. Aber ich bin mir sicher, dass ich sie noch nie gehört habe. „Gut, dass du wach bist. Ich brauche deine Hilfe. Bring die Critter.“

„Was?“, frage ich wieder, dieses Mal nicht ganz so schroff. Was soll das denn? „Sie haben die falsche Nummer.“

Am anderen Ende seufzt die Stimme.

„Bestimmt nicht.“ Ich höre ein Rascheln, und dann: „Ach so. Der Stern steht im Saturn.“

Ein Klicken verrät mir, dass der Anrufer aufgelegt hat.

Ich setze mich im Bett auf und suche nach meinen Schuhen. (mehr …)

Aus den Augen – Eine Kurzgeschichte

Celia ist sieben Jahre alt, als es das erste Mal passiert. Doch erst viel später wird sie verstehen, was es bedeutet. Und welche Nachteile es mit sich bringt…

Lesezeit ca. 20 Minuten


Celia war sieben, als sie das erste Mal zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wurde. Sie war so aufgeregt, dass sie stundenlang mit ihrer Mutter durch das Geschäft streifte, um das perfekte Geschenk zu finden.

Im Nachhinein glaubte Celia, dass die Einladung ihrer Mutter sogar noch mehr bedeutet hatte als ihr selbst. Es war einer der wenigen Tage gewesen, an denen ihre Mutter nicht ein einziges Mal die Worte „zu teuer“ gesagt hatte.

Anikas Haus war für die Geburtstagsfeier entsprechend dekoriert. Überall waren Luftballons und Girlanden aufgehängt und in der Küche stand ein riesiger Schokoladenkuchen auf dem Tisch. Den durften sie aber natürlich erst nach dem Spielen essen, hatte Anikas Mutter gesagt.

Celia war überrascht, wie sauber es überall in dem Haus war. Selbst dort unter Anikas Bett, wo sich Celia in fast jeder Versteckrunde zurückzog, lag nichts. Unter ihrem eigenen Bett standen Kisten mit Spielsachen. Aber ihr Zimmer war auch nicht so groß wie Anikas. (mehr …)

Der Ernst des Lebens macht Pause

Wann beginnt eigentlich der Ernst des Lebens?

Ihr wisst schon, diese mysteriöse Phase, in der man immer genau weiß, was zu tun ist. In der einfach mal Schluss ist mit lustig, sondern geklotzt wird. Die Phase, in der man Alkohol nur noch in Maßen genießt und abends 22 Uhr ins Bett geht, damit man morgens ausgeschlafen ist.

Wenn man mein 15-jähriges Ich fragt, dann beginnt diese Phase pünktlich mit dem Eintritt in ein zweistelliges Alter.

Wie ich schon mal erwähnt habe (so ein, zwei Mal vielleicht…), bin ich als Perfektionistin geboren. Manchmal frage ich mich, ob ich kurz nach meiner Geburt den Krankenschwestern schon Anweisungen gegeben habe, wie sie ihre Prozesse optimieren können… oder sollten 😉

Nicht selten darf ich mir anhören, ich würde mich selbst unglaublich ernst nehmen. Und mehr und mehr habe ich in den letzten Monaten gemerkt, dass das wirklich nichts ist, worauf ich stolz sein möchte.

Denn all der Ernst saugt einfach den Spaß aus allem.

Ich folge Susan Dennards Newsletter und bin jeden Monat auf’s Neue überrascht, wie sehr sie mir aus dem Herzen spricht. Sie war letztes Jahr in einer ähnlichen Phase wie ich jetzt:

Gehetzt, ernst und ständig mit dem Gefühl, nichts richtig machen zu können.

Ihr Schreibprozess hat darunter sehr gelitten und sie musste im Endeffekt all die Worte, die sie in dieser Phase geschrieben hat, wieder verwerfen. Aber schlimmer noch waren die Auswirkungen auf ihr Seelenleben.

Im gestrigen Newsletter beschrieb sie den Zustand als „hollow husk of caffeine and terror“ und ich musste ein wenig Schmunzeln.

Denn genauso fühle ich mich momentan. Minus Koffein.

Es war sogar so schlimm, dass ich vor ein paar Wochen fast in Tränen ausgebrochen wäre, weil mir in der Küche auf Arbeit mein dreckiges Geschirr runter gefallen ist. Noch nie war ich von einer Gabel so enttäuscht.

Doch der Urlaub vorletzte Woche hat die Dinge mal wieder ein bisschen in die richtige Perspektive gerückt.

Ich sage öfter Nein.

Anstatt mir jede Arbeit aufzuhalsen, um die ich gebeten werde, gehe ich momentan eher auf Abwehrhaltung. Interessiert mich das? Habe ich dafür Kapazitäten? Und, sehr wichtig: Ist das mein Problem?

Momentan habe ich keine Kapazitäten für die Blogposts.

Ich schreibe Geschichten und das ist meine Priorität. Ich schreibe auch gerne mal über mein Leben. Allerdings ist da in letzter Zeit immer nur ein Thema: nämlich mein generelles Gefühl, überfordert zu sein. Nach drei, vier, fünf solcher Posts wird es langweilig. Auch für mich.

Deshalb hier die offizielle Ansage, dass die Blogposts ab jetzt Pause machen.

Die Kurzgeschichten werden kommen; und wer sich für den Newsletter anmeldet, wird auch immer pünktlich informiert.

Aber darüber hinaus werde ich jetzt erstmal die Plüschsocken anziehen und mich in der Jogginghose in mein Bett zum Lesen verkrümeln. Lesen und Schlafen.

Bis zum Oktober!

Eure Caro