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Aus den Augen – Eine Kurzgeschichte

Celia ist sieben Jahre alt, als es das erste Mal passiert. Doch erst viel später wird sie verstehen, was es bedeutet. Und welche Nachteile es mit sich bringt…

Lesezeit ca. 20 Minuten


Celia war sieben, als sie das erste Mal zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wurde. Sie war so aufgeregt, dass sie stundenlang mit ihrer Mutter durch das Geschäft streifte, um das perfekte Geschenk zu finden.

Im Nachhinein glaubte Celia, dass die Einladung ihrer Mutter sogar noch mehr bedeutet hatte als ihr selbst. Es war einer der wenigen Tage gewesen, an denen ihre Mutter nicht ein einziges Mal die Worte „zu teuer“ gesagt hatte.

Anikas Haus war für die Geburtstagsfeier entsprechend dekoriert. Überall waren Luftballons und Girlanden aufgehängt und in der Küche stand ein riesiger Schokoladenkuchen auf dem Tisch. Den durften sie aber natürlich erst nach dem Spielen essen, hatte Anikas Mutter gesagt.

Celia war überrascht, wie sauber es überall in dem Haus war. Selbst dort unter Anikas Bett, wo sich Celia in fast jeder Versteckrunde zurückzog, lag nichts. Unter ihrem eigenen Bett standen Kisten mit Spielsachen. Aber ihr Zimmer war auch nicht so groß wie Anikas. (mehr …)

Der Ernst des Lebens macht Pause

Wann beginnt eigentlich der Ernst des Lebens?

Ihr wisst schon, diese mysteriöse Phase, in der man immer genau weiß, was zu tun ist. In der einfach mal Schluss ist mit lustig, sondern geklotzt wird. Die Phase, in der man Alkohol nur noch in Maßen genießt und abends 22 Uhr ins Bett geht, damit man morgens ausgeschlafen ist.

Wenn man mein 15-jähriges Ich fragt, dann beginnt diese Phase pünktlich mit dem Eintritt in ein zweistelliges Alter.

Wie ich schon mal erwähnt habe (so ein, zwei Mal vielleicht…), bin ich als Perfektionistin geboren. Manchmal frage ich mich, ob ich kurz nach meiner Geburt den Krankenschwestern schon Anweisungen gegeben habe, wie sie ihre Prozesse optimieren können… oder sollten 😉

Nicht selten darf ich mir anhören, ich würde mich selbst unglaublich ernst nehmen. Und mehr und mehr habe ich in den letzten Monaten gemerkt, dass das wirklich nichts ist, worauf ich stolz sein möchte.

Denn all der Ernst saugt einfach den Spaß aus allem.

Ich folge Susan Dennards Newsletter und bin jeden Monat auf’s Neue überrascht, wie sehr sie mir aus dem Herzen spricht. Sie war letztes Jahr in einer ähnlichen Phase wie ich jetzt:

Gehetzt, ernst und ständig mit dem Gefühl, nichts richtig machen zu können.

Ihr Schreibprozess hat darunter sehr gelitten und sie musste im Endeffekt all die Worte, die sie in dieser Phase geschrieben hat, wieder verwerfen. Aber schlimmer noch waren die Auswirkungen auf ihr Seelenleben.

Im gestrigen Newsletter beschrieb sie den Zustand als „hollow husk of caffeine and terror“ und ich musste ein wenig Schmunzeln.

Denn genauso fühle ich mich momentan. Minus Koffein.

Es war sogar so schlimm, dass ich vor ein paar Wochen fast in Tränen ausgebrochen wäre, weil mir in der Küche auf Arbeit mein dreckiges Geschirr runter gefallen ist. Noch nie war ich von einer Gabel so enttäuscht.

Doch der Urlaub vorletzte Woche hat die Dinge mal wieder ein bisschen in die richtige Perspektive gerückt.

Ich sage öfter Nein.

Anstatt mir jede Arbeit aufzuhalsen, um die ich gebeten werde, gehe ich momentan eher auf Abwehrhaltung. Interessiert mich das? Habe ich dafür Kapazitäten? Und, sehr wichtig: Ist das mein Problem?

Momentan habe ich keine Kapazitäten für die Blogposts.

Ich schreibe Geschichten und das ist meine Priorität. Ich schreibe auch gerne mal über mein Leben. Allerdings ist da in letzter Zeit immer nur ein Thema: nämlich mein generelles Gefühl, überfordert zu sein. Nach drei, vier, fünf solcher Posts wird es langweilig. Auch für mich.

Deshalb hier die offizielle Ansage, dass die Blogposts ab jetzt Pause machen.

Die Kurzgeschichten werden kommen; und wer sich für den Newsletter anmeldet, wird auch immer pünktlich informiert.

Aber darüber hinaus werde ich jetzt erstmal die Plüschsocken anziehen und mich in der Jogginghose in mein Bett zum Lesen verkrümeln. Lesen und Schlafen.

Bis zum Oktober!

Eure Caro

Glitzern im Wasser – Eine Kurzgeschichte

Wenn Max‘ Eltern nicht so arm wären, dann müsste er nicht im Boot sitzen und angeln. Aber wenn er nicht angeln müsste, hätte er die Frau nie getroffen. Die Frau, die ihm Fische schenkte. Und ihr Geheimnis…

Lesezeit ca. 20 Minuten


Die Sonne brannte ihm auf den Kopf. Hier in der Mitte des Sees gab es keinen Schatten und sein Hut lag zu Hause.

Es war zu spät, an Land zu rudern und ihn zu holen. Wenigstens heute musste er einen Fisch fangen. Schon in den letzten Tagen war er immer mit leeren Händen nach Hause gekommen und langsam konnte er die Blicke seiner Eltern nicht mehr ertragen.

Sie waren nicht mal böse, nein. Sie sahen Max mit einer Mischung aus Verständnis und Trauer an, als ob sie ihm keine Vorwürfe machen wollten, wenn er seinen Teil zum Lebensunterhalt der Familie nicht beitrug. Der Blick an sich aber war schon Vorwurf genug.

Er fand nur die Plane, mit der er das Boot bei Regen abdecken konnte. Dann musste er sich darunter verkriechen, wenn er keinen Sonnenstich bekommen wollte. Egal, wie heiß es darunter war.

Max kontrollierte noch einmal, ob er die Angel richtig am Boot befestigt hatte und verschwand dann in die stickige Dunkelheit. (mehr …)