Category Archives: Schreibtipps

Von Geschichten, die auf der Strecke bleiben

Ich habe die Storyline umrissen, die Geschichte getaktet und den ersten Entwurf begonnen.

Drei Mal.

Ich habe wirklich mein Bestes gegeben.

Aber die Geschichte wollte nicht.

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal. Ich denke, jeder angehende Schreiberling hat die ein oder andere Romanleiche auf der Festplatte liegen. Charaktere, die das Licht außerhalb der Notizbuchseiten nicht erblicken. Szenen, die losgelöst ohne Anfang und Ende nebeneinander versauern.

Eine der wichtigsten Regeln beim Schreiben ist es, Dinge zu beenden.

Das ist überhaupt auch eine der wichtigsten Regeln im Leben.

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Das Leben, die Kunst und die Reihenfolge

Es gibt da eine Anekdote von Stephen King und seinem Schreibtisch:

Er habe immer einen großen Schreibtisch gewollt, sagt er. Und irgendwann in seiner Karriere hat er sich den auch gegönnt. Er hat sich in einem Zimmer seines Hauses ein Monstrum an Tisch hingestellt und das Zimmer anschließend zu seinem Schreibraum erklärt. Danach, so sagt er, war er jahrelang damit beschäftigt, hinter ebendiesem Schreibtisch zu sitzen — oftmals betrunken oder unter dem Einfluss von Drogen. Er schrieb viel während der Zeit.

Und seine Familie sah ihm dabei zu, wie er sich sukzessive selbst zerstörte.

Erst später, während er seinen Alkoholismus bekämpfte, warf er den Schreibtisch raus. Stattdessen kaufte er einen kleineren Tisch und stellte ihn an die Wand. Abends saßen seine Familie und er oft auf einer Couch in eben diesem Raum und schauten fern. Und er erinnert sich immer daran, warum der neue Tisch nicht in der Mitte des Raumes steht: (mehr …)

Das Geheimnis des schnellen Schreibens

schnellesschreiben

Schnell schreiben — angeblich ist das ja das Geheimnis eines erfolgreichen Autors.
Wenn man sich die Veröffentlichungskalender einiger Selfpublisher so ansieht, könnte man das tatsächlich glauben. Wer alle ein bis zwei Monate (!) ein Buch veröffentlicht, muss ohne Frage schnell schreiben können.

Aber wie kann man seine Schreibgeschwindigkeit erhöhen und ist das überhaupt essentiell?

Der Unterschied zwischen Tippen und Schreiben

Ich kann blind tippen. Zwar nicht mit zehn Fingern, aber mit vier bis sechs, und damit bin ich ziemlich schnell.

Trotzdem heißt das nicht automatisch, dass ich schnell schreibe.

Wie bitte?

Ja, das sollten wir gleich als erstes klären: Es gibt einen Unterschied zwischen Tippen und Schreiben.

Mit ein bisschen Übung — und von mir aus auch mit dem 10-Finger-System — kann jeder schnell tippen. Das ist keine große Kunst, sondern einfaches Muskeltraining. Was der Körper oft macht, geht automatisch irgendwann schneller.

Aber schnell schreiben ist etwas ganz anderes, denn da geht es darum, dass die Wörter auch Sinn ergeben. Und diese Geschwindigkeit zu erhöhen, erfordert ein bisschen mehr Finesse.

Vorbereitung ist (fast) alles

Seit dem Sommer habe ich eine Datei, in die ich meine Schreibzeiten eintrage und meine Schreibgeschwindigkeit ausrechne. Im Juli noch lag meine durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit bei 1200 bis 1500 wph (Wörter pro Stunde), mittlerweile schaffe ich oft 1800 bis 2000+ wph.

Das heißt nicht, dass ich mittlerweile schneller tippen kann, sondern dass ich besser vorbereitet bin.

Seit ich vor jeder Schreibsession etwa 15 Minuten damit verbringe, mir kurz zu skizzieren, was in der Szene als nächstes passieren soll, schreibe ich schneller.

Zum einen hilft mir das, nach der „Tagespause“ wieder in mein Projekt einzusteigen und zum anderen weiß ich so immer, wo die Geschichte hingehen soll. Beides ist wichtig, um schneller voranzukommen, weshalb ich das mittlerweile als festen Teil in meine Schreibsessions einplane.

Kurze Intervalle erhöhen die Geschwindigkeit

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich mir selbst nur 10 Minuten zum Schreiben gebe, schreibe ich automatisch schneller. Der Zeitraum ist kurz genug, um mich richtig zu vertiefen, sodass keine Zwischengedanken — Emails checken? Wäsche gewaschen? Frühstück vorbereitet? Turnschuhe ausgelüftet? — aufkommen können.

In den kurzen Intervallen habe ich oft ein höheres Schreibtempo als in längeren Intervallen.

Aber, und das ist kein zu vernachlässigendes Aber, da ich zwischen den kleinen Schreibintervallen immer ein bis zwei Minuten Pause mache (um etwas zu trinken, den Wortstand aufzuschreiben und mich auf’s nächste Intervall vorzubereiten) habe ich am Ende in einer Stunde etwa genauso viel geschrieben wie wenn ich längere Intervalle nehme.

Trotzdem setze ich meine Intervalle mittlerweile selten länger als 15 Minuten oder 500 bis 600 Wörter. Davon kann ich dann so viele oder so wenige machen, wie in meinen Tagesplan passen.

Wie wichtig ist die Geschwindikeit?

Auf den ersten Blick scheint die Schreibgeschwindigkeit, wie eingangs erwähnt, ein sehr wichtiger Faktor zu sein, wenn man vom Schreiben leben will.

Aber ist es der wichtigste Faktor?

Bei weitem nicht.

Es gibt auf Youtube ein ganz tolles Video von der Schriftstellerin Kami Garcia, der Co-Autorin des Bestsellers „Beautiful Creatures“. Die Frau hat ein Vier-Finger-Adler-Such-System und damit eben diesen Wälzer geschrieben (das Buch hat laut Kobo 153.000 Wörter). Sie ist keine schnelle Schreiberin. Aber sie hat es trotzdem geschafft, das Schreiben zu ihrem Beruf zu machen.

Weil sie durchgehalten hat.

Weil sie nicht aufgegeben hat, auch wenn die Charaktere nicht so wollten wie sie oder ihr innerer Kritiker laut gepöbelt hat.

Und das ist auch in der heutigen Bücherlandschaft der wichtigste Faktor, wenn es darum geht, ein Buch zu schreiben. Ihr könnt schnell schreiben oder langsam, blind oder immer mit Blick auf die Tasten. Solange ihr euch regelmäßig und oft hinsetzt und schreibt, auch wenn alle Zeichen gegen euch stehen, dann habt ihr irgendwann ein fertiges Buch in den Händen.

Egal, ob nach einem oder nach zwölf Monaten.


In diesem Zusammenhang auch eine Neuigkeit von mir: Vor ein paar Tagen habe ich den ersten Entwurf meiner langen Geschichte fertig gestellt! Darauf erstmal einen Glühwein…