Das unvorhersehbar Vorhersehbare

Letzte Woche ist es mir passiert.

Man glaubt ja immer, man selbst ist vor so etwas gefeit, aber nein — auch wenn ich zehn Jahre lang Glück hatte. Es hat mich letzte Woche eingeholt:

Mein Rechner ließ sich nicht mehr starten.

Deshalb gab es auch letzte Woche keinen Blogpost, denn ich war mehrere Tage verzweifelt damit beschäftigt, mein geliebtes MacBook Pro wieder zum Laufen zu bringen. Ein MacBook Pro, das mal ganz nebenbei gesagt, mit seinen 7 Jahren schon in die Kategorie „Vintage“ fällt und für das es daher keine Ersatzteile gibt. Das wärmt einem doch das Herz, wenn man den Tränen nahe im Gravis-Laden steht.

Das Schöne an der Situation allerdings: Auf die Standardfrage, ob ich denn ein Backup meiner Daten hatte, konnte ich beherzt „ja“ antworten.

Als ich nach mehreren Tagen und etlichen Festplattenformatierungen nun endlich meine Dateien wieder alle auf meinem Rechner hatte, war ich um einiges beruhigter und um einiges schlauer.

Immer ein Backup

Das Wichtigste hatte ich, wie erwähnt, Gott sei Dank schon selbst gemacht: nämlich ein regelmäßiges Backup. Mein aktuelles Backup war von genau dem Abend, an dem mein Rechner sich verabschiedet hatte. Mit TimeMachine geht das ja sehr komfortabel.

Wer bislang keine Backups macht — weil Backups entweder für Luschen sind oder das Thema ach-so-kompliziert erscheint — der sollte sich diesen Blogpost zum Anlass nehmen, das direkt einzurichten.

Ich habe nur mein Betriebssystem upgraden wollen und plötzlich ging gar nichts mehr. In meinem Kopf bin ich schon alle Möglichkeiten durchgegangen, inklusive der Kosten für einen neuen Rechner. Aber ich musste mir keine Sorgen darüber machen, ob meine Geschichten alle noch da sind. Das war eine riesige Erleichterung.

Immer der falsche Zeitpunkt

Ich kann mich an keinen Tag in meinem Leben erinnern, an dem ich gedacht hätte: „Wenn heute mein Rechner kaputt geht und ich die nächsten Abende mit Neuformatierung und -installation sämtlicher Daten verbringe, dann würde mir das gut in den Plan passen.“

Grundsätzlich passieren solche Katastrophen ja immer zum falschen Zeitpunkt. In meinem Fall hatte ich gerade den ersten Entwurf meiner dritten Jahresgeschichte fertig und wollte mit dem Lektorat beginnen. Mein Wochenplan stand.

Und er beinhaltete keine täglichen Besuche bei Gravis, das kann ich euch garantieren. Auch wenn der Typ sehr nett war.

Gerade deshalb nervt es ja. Und nur deshalb ist so etwas überhaupt eine Katastrophe. Aber Murphys Gesetz verschont niemanden.

Immer eine Alternative

Während ich auf die Neuinstallation des Betriebssystems wartete, hatte ich viel Zeit für andere Dinge. Lesen, zum Beispiel, oder mal eben die restlichen drei Kurzgeschichten zu planen.

Und dabei ist mir aufgefallen, wie viel Zeit ich sonst tatsächlich am Rechner verbringe, und sie nicht für’s Schreiben nutze.

Nein, stattdessen surfe ich auf Tumblr oder YouTube. Ich rede mir ein, nur weil ich keine Serien auf Netflix schaue, bin ich irgendwie produktiver als meine Mitmenschen. Aber in den vergangenen zwei Wochen musste ich feststellen, dass das eine totale Illusion ist.

Wenn ich abends nach der Arbeit noch vier Stunden am Rechner verbringe und effektiv nur eine halbe davon mit meinen Geschichten verbringe (und den Rest mit hübschen Essensfotografien auf Tumblr), dann ist da noch Optimierungspotenzial.

Ich fürchte, dass ich mich seit Anfang des Jahres sehr wenig tatsächlich darauf konzentriert habe, was noch geht. Mehr und mehr — das ist auch in meinen Blogposts deutlich — habe ich mir selbst eingeredet, ich müsste zurück treten. Ich hätte letztes Jahr „zu viel“ geschrieben und könnte den Zeitplan nicht einhalten.

Aber Tatsache ist: Ich verbringe sehr viel Zeit mit Dingen im Internet, die mir absolut nichts bringen. Vielleicht kennt ihr das auch: Der erste Filmtrailer (alternativ: Katzenvideo) ist noch lustig, aber nach dem zwanzigsten kannst du dich an den ersten nicht mehr erinnern und irgendwo ist eine Stunde ins Land gegangen, die du nicht zurück bekommst. Und das, obwohl ich in meinem letzten Blogpost, noch so stolz erklärt habe, dass ich auf Social Media meine Zeit nicht verschwenden will.

Vielleicht ist diese Erkenntnis allerdings auch dem Buch geschuldet, das ich mir gerade zu Gemüte führe: Cal Newport „Deep Work“.

Immer ein Neuanfang

Was sich zunächst wie eine Katastrophe anfühlte, stellte sich hinterher als gar nicht so schlecht heraus.

In den letzten zehn Jahren, in dem ich meinen Benutzeraccount auf diversen Rechnern pflegte (und bei Umzügen immer nur migrierte), hatte sich doch ganz schön viel Ballast angesammelt, den ich gar nicht mehr benutze. Oder der sich offiziell gar nicht mehr auf meinem Rechner befinden sollte.

Durch das manuelle Importieren der Dateien konnte ich frei entscheiden, welche Daten ich tatsächlich noch brauche und welche ich getrost in den Tiefen der externen Festplatte verschwinden lassen kann. Das fühlte sich am Ende dann doch ganz gut an, zumal mein Rechner nun so schnell startet wie seit Jahren nicht mehr.

Es hat eben alles auch seine guten Seiten.

Ich habe in den letzten zwei Wochen doch ein bisschen was gelernt. Genug Denkfutter für die nächsten Tage, in denen ich meinen Tagesablauf und meine To-Do-Liste überarbeiten werde.

Vor allem aber:

Das einzig Vorhersehbare am Unvorhersehbaren ist, dass es kommen wird.

Und mit dieser hoch-philosophischen Aussage entlasse ich euch in einen hoffentlich vorhersehbaren Sonntag.

One thought on “Das unvorhersehbar Vorhersehbare

  1. Pingback: Schreibrückblick: Juli 2017 – Words I Weave

Kommentar verfassen