Die ersten Zweifel am Schreiben auf Deutsch

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So musste es ja kommen.

Ich treffe eine große Entscheidung und kurze, bzw. etwas längere Zeit später überlege ich in alle Richtungen und es kommen Zweifel auf.

In diesem Fall: Ist es wirklich die richtige Entscheidung, auf deutsch umzuschwenken?

Die Sache mit den Kurzgeschichten

Ich habe mich in der letzten Woche ein wenig mit dem deutschsprachigen Kurzgeschichtenmarkt beschäftigt. Das war ernüchternd.

Ja, ich schreibe derzeit vornehmlich Kurzgeschichten und ja, ich hatte schon gehofft, dass ich ein paar davon auch in anderen Medien (Magazinen, Zeitschriften, Blogs etc.) veröffentlichen könnte. Nur so von allein stolpert sicherlich niemand auf meinen Blog, dann schon eher, weil er woanders etwas von mir gelesen hat.

Doch im deutschsprachigen Raum scheint es zum einen nur sehr wenige Kurzgeschichtenmagazine zu geben. Und zum anderen sind die zum größten Teil „invite only“. Das heißt, die Herausgeber beziehen sich auf ihren gewohnten Autorenstamm oder fragen bei vielversprechenden Autoren konkret selbst an.

Einen Bewerbungsprozess, so wie ich ihn auf dem englischsprachigen Markt kennen gelernt habe, scheint es gar nicht zu geben. Und dort hatte ich mir nur 10 Magazine herausgepickt — aus einer großen Datenbank.

Allerdings stellt sich vielleicht auch die Grundfrage schon: Macht es überhaupt Sinn, Kurzgeschichten zu schreiben? Geld verdient man damit nicht. Gut, vielleicht wird hier und da mal eine Kurzgeschichte bezahlt, aber vornehmlich geht es dabei um Publikationen, um Prestige und darum, neue Leserschaften auf sich aufmerksam zu machen. Lohnt sich das überhaupt, so generell, egal in welcher Sprache?

Und vor allem, lohnt es sich, weiter Zeit in Kurzgeschichten zu investieren, wenn es offensichtlich im deutschsprachigen Raum gar keine Bühne (ergo, keine Leserschaft?) dafür gibt?

Die Sache mit dem Markt

Der deutsche Selfpublishing-Markt ist zunächst größer, als ich gedacht hatte. Gut, bislang kannte ich auch nur wenig davon: Die Selfpublisher-Bibel und die Schreibdilettanten, wobei letztere nicht wirklich Selfpublisher sind.

Doch, wer sucht, der findet und so habe ich schließlich kürzlich das Magazin der selfpublisher ausfindig gemacht und mir gleich die erste Ausgabe bestellt. An sich ein gutes Magazin, das mir auch ein paar andere Selfpublisher vorgestellt hat.

Trotzdem bin ich unsicher, was die Größe des Marktes betrifft. Deutsch ist eben keine Weltsprache, anders als Englisch. Das kann gut sein, weil man vielleicht gegen weniger Konkurrenz ankämpfen muss. Das kann aber auch bedeuten, dass man es ungleich schwerer hat, seine Bücher an die ohnehin schon weniger zahlreichen Leser zu bringen.

Warum ich mich ursprünglich zu Deutsch entschieden hatte

Deutsch ist meine Muttersprache, aber ich habe in den letzten Jahren kaum etwas auf Deutsch geschrieben. Das wollte ich ändern. Ich wollte auch, dass meine Verwandten und Freunde mal etwas von mir lesen können, auch wenn sie der englischen Sprache nicht so mächtig sind. Ich wollte mir gern einen Kritikpartner suchen, mit dem ich meine Geschichten weiter entwickeln konnte. Ich wollte mal etwas einfach in der Sprache verfassen, die ich den ganzen Tage spreche.

Und da hört es dann schon auf mit den Gründen. Mit der Umstellung fange ich quasi von vorne an: Ich kann zwar im Konstruktionsbereich der Geschichte auf meine Erfahrungen zurück greifen, aber die Sprache an sich ist völlig anders. Meine Stimme ist völlig anders.

Da ich auch in den letzten Jahren vornehmlich englischsprachige Lektüre verschlungen habe, habe ich auch weniger Gefühl für „gute“ Texte. Mir fehlt vielleicht einfach die Übung. Erwarte ich womöglich einfach zu viel von meinen Fähigkeiten?

Sind das nur Startschwierigkeiten?

Bilde ich mir das alles nur ein? Lasse ich mich gerade von den neuen Hürden dieser Herausforderung einschüchtern?

Sind das alles gar keine Probleme sondern nur Hügel, die man eben so bezwingen muss, wenn man Autor werden will?

Und: Gab es alle diese Hügel auch, als ich noch auf Englisch geschrieben habe? Kamen sie da nur zeitversetzt und waren so einfacher zu bezwingen?

Ich weiß es nicht.

Ich möchte dem Ganzen eine Chance geben, auch wenn ich gerade eher negativ darüber denke. Vielleicht ist es bloß eine Phase.

Oder aber, vielleicht entscheide ich mich im Dezember wieder um.

3 thoughts on “Die ersten Zweifel am Schreiben auf Deutsch

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