Die Kunst, einen Elefanten zu essen

Wie isst man einen Elefanten?

Ich bin letzte Woche von meinem Weihnachts-Silvester-Trip zurück gekehrt. Ich hatte große Pläne, was alles im Urlaub gemacht werden sollte und doch… ja, wen wundert’s, habe ich kaum etwas davon geschafft.

Als ich also am Sonntag abend in meine leere Wohnung und zu meinem noch leereren Kühlschrank kam, nahm ich mir fest vor, im neuen Jahr wieder zurück in das Projekt zu springen. Meine Novelle muss doch endlich mal fertig werden, dachte ich mir. Auch wenn da Unmengen an Zweifeln sind, auch wenn wir auf Arbeit gerade einen Jahresabschluss machen, auch wenn ich mit dem neuen Jahr wieder regelmäßiger Sport machen möchte.

Es muss doch möglich sein, dieses Projekt fertig zu stellen.

Wie esse ich also diesen doofen Elefanten, den ich mir selbst gebastelt habe?

Ich habe meine Karteikarten, ich habe meine farbigen Klebezettel, ich habe meine Notizen. Und doch graut es mir davor, die Klebezettel der Reihe nach abzuarbeiten.

Großer Elefant.

Dabei habe ich schon einen nicht unerheblichen Teil an Klebezetteln umgesetzt. Doch irgendwie wird das ganze dadurch nicht besser. Nein, das Ganze wird sogar schlimmer.

Plötzlich habe ich ein noch größeren Wortwust als vorher. Da sind Szenen zu Waisen geworden, Hintergrundinfos tauchen mehrfach auf, meine Protagonistin ist noch undurchsichtiger als im ersten Entwurf.

Der Elefant ist gerade mal angeschnitten und nun liegt er da in meinem kreativen Vorgarten und verlangt, verarbeitet zu werden.

Ich frage mich jetzt, ob ich überhaupt genug Töpfe habe und ob meine Küche nicht vielleicht doch zu klein ist. Schaffe ich das mit dem Elefanten wirklich?

Kleiner Elefant.

Letzte Woche habe ich die Kurzgeschichtensammlung angesprochen, die ich plane. Dafür müssen noch drei Geschichten geschrieben werden; drei Geschichten, die ich schon skizziert habe. Ich müsste sie nur, wie letztes Jahr die anderen Geschichten, vorbereiten, takten, schreiben und lektorieren. Wenn mich mein Schreibgefühl nicht völlig verlässt, schaffe ich das in etwa zwei Monaten.

Damit hätte ich die Sammlung fertig.

Meine Novelle allerdings nicht.

Ist die Sammlung womöglich nur eine Ersatzhandlung, die ich aus Angst vor dem großen Elefanten in Betracht ziehe?

Was mache ich, wenn ich die Novelle nicht fertig bringen kann und dafür Kurzgeschichten auf Eis lege, die ich mit größerer Sicherheit schreiben kann?

Was ist, wenn ich das einfach nicht kann?

(Angst)Hase.

Mein Gedankenkarussel dreht sich schneller und schneller.

Und die Angst dreht sich mit. Die Angst davor, meine Versprechen nicht halten zu können, die Geschichten nicht schreiben zu können, mich zu blamieren.

Der Elefant, stelle ich fest, ist nicht nur meine Novelle. Der Elefant ist alles: Die Novelle, der Blog, die Kurzgeschichten.

Carolina Greene ist mein Elefant.

Wie isst man denn nun einen Elefanten? Stück für Stück.

In meiner 2Do-App stehen drei große Aufgaben als „Überfällig“:

  1. Geschenk für Freundin nähen
  2. Blogpost-Übersicht 2017 erstellen
  3. Klebezettel „Plot“ abarbeiten

Das sind keine Elefanten-Stücke, das sind selbst kleine Mini-Elefanten. In meinem Wahn, möglichst wenig administrative Arbeit zu haben, habe ich die Unteraufgaben zu grob formuliert.

Und jetzt sitze ich vor diesen Aufgaben und weiß wieder nicht, wo ich anfangen soll. Schlimmer noch: Selbst wenn ich es wüsste, sehen die Aufgaben so monumental aus, dass ich sie ständig vor mir her schiebe.

Also sollte ich unterteilen:

  1. Geschenk für Freundin nähen
    1. Nähmuster ausdrucken
    2. Stoffe zurecht schneiden
  2. Blogpost-Übersicht 2017 erstellen
    1. Blogposts Januar
    2. Blogposts Februar
  3. Klebezettel „Plot“ abarbeiten
    1. Plot Szene 10a
    2. Plot Szene 15
    3. Plot Szene 17

Die nächsten Tage werde ich mich also damit beschäftigen, meinen Elefanten zu zerteilen.
In „mundgerechte“ Stücke.

Damit das Essen einfacher wird.

2 thoughts on “Die Kunst, einen Elefanten zu essen

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