Ein Hoch auf die Unbequemlichkeit

unbequemlichkeit

Ich habe ein unglaublich tolles Bett.

Als ich vor nunmehr vier Jahren in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, habe ich mir auch zum ersten Mal eine eigene Matratze gekauft. Dabei habe ich mir die dickste und bequemste Matratze ausgesucht, die der Laden zu bieten hatte — und die ich bezahlen konnte.

Wenn ich, vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit, morgens mit kalter Nase aufwache, ist der Rest meines Körpers schön gemütlich eingemummelt. Ein tolles Gefühl.

Es ist also kein Wunder, dass mir das Aufstehen oft sehr schwer fällt.

Aber Neale Donald Walsch hat schon richtig formuliert:

„Life begins at the end of your comfort zone.“

Das Leben beginnt am Rande der Komfortzone. Also außerhalb meines monumental bequemen Bettes.

Vor ein paar Wochen habe ich an einem Extrem-Hindernislauf teilgenommen.

Es klingt heroisch: Über 25 Hindernisse, die es zu überwinden galt, und dazwischen immer nur zu Fuß über holprige Buckelpiste. Rein in den See, raus aus dem Wasser, durch den Schlamm, über die Autoreifen, die Rutsche runter, rauf auf den Container…

Das ist sicher nicht nur meine ganz persönliche Vorstellung von „unbequem“. Wenn ich davon erzähle, werde ich immer wieder gefragt, warum ich das gemacht habe.

Warum tut man sich so etwas an?

Die einfache Antwort ist: Weil ich Anfang des Jahres in euphorischer Selbstüberschätzung einen mittleren zweistelligen Betrag für die Teilnahme hingeblättert habe und es mir in der Seele weh tat, diesen verfallen zu lassen.

Die nicht ganz so einfache Antwort: Weil es Spaß macht. Weil ich es kann. Weil ich meine Fähigkeiten testen wollte. Weil ich Angst davor hatte.

Weil es unbequem war.

Gemeinsam mit einer Freundin habe ich die Strecke in 2:10 Stunden absolviert. Wir sind fast als die Letzten in unserer Staffel über die Ziellinie gekommen, aber wir haben es geschafft. Wir haben jedes Hindernis bewältigt, wenn auch manchmal etwas unorthodox.

Warum erzähle ich euch das alles?

Weil es mein bestes Beispiel in diesem Jahr von Walschs Zitat ist. Natürlich musste ich keinen Hindernislauf absolvieren. Ich hätte den Sonntag morgen auch auf der Couch liegen und vor mich hin träumen können. Aber es hätte mir nicht mal ansatzweise ein solches Hochgefühl — einen solchen Erfolg — geliefert, wie der Hindernislauf.

Genauso ist es mit meinem Bett: Wenn ich den ganzen Tag nicht aufstehen würde, dann würde ich gar nichts auf die Reihe bekommen.

Keinen Brotjob, keine Hindernisläufe, keine Kurzgeschichten.

  • Es ist nicht bequem, morgens halb sechs in aller Dunkelheit aufzustehen und sich zum Schreiben an den Rechner zu setzen.
  • Es ist nicht bequem, abends noch einmal die Laufschuhe anzuziehen und eine Stunde durch den Park zu joggen.
  • Es ist nicht bequem, Sonntag morgen zum See zu fahren und über 25 Hindernisse zu kraxeln.

Aber in einem Jahr werde ich mich nicht daran erinnern, wie ich auf der Couch gesessen und verträumt die Wolken angestarrt habe — was in einer Dachgeschosswohnung übrigens auch super von einem monumental bequemen Bett aus funktioniert.

Ich werde mich definitiv noch lange an die unbequemen Hindernisse erinnern.

Und ich werde Geschichten haben, die hier veröffentlicht sind. Geschichten, die ihr gelesen und die euch hoffentlich gefallen haben.

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