Hinter den Kulissen: Was ich aus meinem neuen Großprojekt gelernt habe (und worum es darin geht)

grossprojektspoilers

Jetzt habe ich es lange genug angedeutet ohne wirklich etwas darüber zu erzählen, also nun der offizielle Post dazu:

Ich schreibe an einer längeren Geschichte.

Keine Sorge, die monatlichen Kurzgeschichten sind bis Ende des Jahres bereits fertig und warten darauf, veröffentlicht zu werden. Und nachdem ich die Geschichten fertig hatte, habe ich mich direkt in das nächste, größere Projekt gestürzt.

Seit etwa zwei Wochen sitze ich nun am ersten Entwurf und bin schon auf einige Hindernisse gestoßen, die mir das Leben (oder der allbekannte „Widerstand“?) in den Weg gelegt hat.

Wenn ihr bis zum Ende lest, habe ich auch ein paar Spoiler für euch 😉

Vorbereitung ist alles.

Ich war so aufgeregt und habe mich so auf die Geschichte gefreut, weil sie schon seit letztem Jahr in meinem Kopf herum schwebt. Aber genau diese Vorfreude war schließlich das erste Hindernis: Anstatt wie sonst auch, meine Geschichte zu planen, zu outlinen und danach die Takte zu schreiben, habe ich mich direkt nach der Outline in den ersten Entwurf gestürzt.

Keine gute Idee.

Die erste Szene ging noch einigermaßen gut. Aber danach ging es stetig bergab.

Die Hürden auf dem Weg.

Was passiert als nächstes? Wie reagiert Charakter A auf Charakter Bs Aussage? Wie komme ich jetzt von diesem Erzählpunkt zum nächsten? Wann schreibe ich die Hintergrundinfos, ohne dass es zu einem Infoklumpen im ersten Kapitel wird?

All die Fragen hatte ich anfangs nicht beantwortet, sodass ich sie beim Schreiben beantworten musste. Der Nachteil daran ist, dass ich so meinen inneren Kritiker nicht schnell genug in den Urlaub schicken konnte. Und da saß er nun auf meiner Schulter und meckerte und meckerte, wie er das eben so tut.

Lineares Schreiben ist überbewertet.

Noch vor einem Jahr hätte ich mich bis auf’s Messer darüber gestritten. Ich habe bislang nämlich jede Geschichte immer schön von Anfang bis Ende geschrieben, genauso wie sie auch gelesen wird.

Aber nun hatte ich ja das Problem, dass ich Wörter schreiben musste und nicht wusste, worüber. Also habe ich — ausnahmsweise — mal mit dem Ende angefangen. Das habe ich nämlich schon lange im Kopf. Und nach dem Ende habe ich die Szene davor geschrieben. Und dann eine Szene mittendrin.

So konnte ich zumindest etwas schreiben und in die Geschichte kommen. Mein eigentliches Problem hat das leider nicht gelöst, aber es hat meine Motivation aufrecht erhalten.

Zwischenziele stecken.

Vielleicht war es naiv, aber ich bin davon ausgegangen, dass die neue lange Geschichte in etwa so anstrengend wird wie die Kurzgeschichten vorher. Nur eben länger.

Leider ist dem überhaupt nicht so.

Nach jeder fertigen Kurzgeschichte hatte ich ein Erfolgserlebnis („Endlich fertig!“), das nun ausbleibt. Die 8.000 Wörter des ersten Entwurfs entsprechen etwa 3 Kurzgeschichten. Aber leider sind die Erfolgserlebnisse dazwischen ausgeblieben. Denn es ist eine Geschichte, die noch etwa 30.000 weitere Wörter benötigt.

Und das alles ohne Zwischenerfolge?

Nun ja, ich habe mir wöchentliche Schreibziele gesetzt (5.000 Wörter pro Woche), aber das scheint nicht wirklich zu helfen. Deshalb probiere ich jetzt etwas neues: Ich setze mir die jeweiligen Teilabschnitte als Zwischenziele:

Also der Anfang bis zum den entscheidenden Wendemoment ist ein Teil. Danach die Eingewöhnungsphase bis zum ersten Höhepunkt ein weiterer Teil. Und so weiter.

Ich hoffe, dass ich mir so die Freude an der Geschichte behalten kann.

Es gibt immer etwas zu entdecken.

Wie gesagt, die Geschichte spuckt schon seit letztem Jahr in meinem Kopf herum. Doch seit der ersten Idee hat sich mittlerweile viel geändert. Zusammenhänge zwischen einzelnen Figuren wurden plötzlich klarer, Wendepunkte ergaben sich und ich habe die ganze Geschichte etwas gestrafft.

Doch auch jetzt, während des Schreibens, ergeben sich immer neue Ideen. Charaktere nehmen Formen an. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich eben keine Takte („Beats“) geschrieben habe und deshalb ein bisschen wie ein Käfer auf dem Rücken wild herum strampele. Aber die Erfahrung mit den Kurzgeschichten hat mir gezeigt, dass das auch beim normal strukturierten Schreiben so ist.

Diese Änderungen zu erkennen, zu bewerten und einzubauen ist einer der Aspekte, auf den ich mich am meisten freue.

Wie ich die Hürden überwinde

Es ist also klar, was ich als nächstes tun muss:

  • Beats schreiben
  • Zwischenziele definieren
  • Änderungen zulassen

Ich habe schon begonnen, Beats zu formulieren und stelle fest, dass das besser funktioniert. Anfangs hatte ich mein Manuskript schon in Kapitel unterteilt, doch diese Unterteilung habe ich nun erstmal aufgehoben und in Szenen gegliedert. Es ist auf ein Erfolgserlebnis, wenn ich an eine Szene einen Haken setzen kann.

Außerdem versuche ich, ein wenig ausführlicher zu schreiben. Die Kurzgeschichten haben aufgrund ihrer Länge einige Begrenzungen, was Beschreibungen und Hintergrundinformationen angeht. Diese Grenzen habe ich jetzt nicht, aber ich muss noch lernen, meine neue Freiheit optimal zu nutzen.

Das Beste zum Schluss

Lasst mich raten, all das Gefasel hat euch als Nicht-Autoren recht wenig interessiert, oder? Viel lieber wollt ihr wissen, worum es in der Geschichte eigentlich geht.

Ich auch.

Also, anbei schon mal ein Vorgeschmack:

Zwischen Mel und den Unsichtbaren gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Mel mischt sich nicht ein, wenn sie einen Menschen zum Tod verurteilen. Im Gegenzug lassen die Unsichtbaren Mels Familie in Ruhe. Das Kribbeln auf ihrer Haut, das einen Tod ankündigt, ignoriert sie also gekonnt.

Doch dann wählen die Unsichtbaren ein Opfer, mit dem Mel nicht einverstanden ist: Mels Ziehschwester Silvie. Zum ersten Mal sieht sich Mel gezwungen einzugreifen, doch das ist leichter gesagt als getan.

Denn wie kommt sie gegen Wesen an, die außer ihr niemand sieht und die es schaffen, die Tode alle nach normalen Unfällen aussehen zu lassen?

Ich freue mich schon sehr darauf, euch die Geschichte vorstellen zu können. Aber bis dahin muss ich sie erstmal fertig schreiben.

Also, ran an die Buletten 🙂

Kommentar verfassen