Meine Schreibroutine auf dem Prüfstand

Wie sieht sie nun aus, die perfekte Schreibroutine?

Nachdem ich kürzlich davon berichtet habe, wie ich mein Projekt einteile, Vermeidungstaktiken erkenne, mich in einer schlechten Phase aufmuntere und warum die Geschichten eigentlich alle irgendwie schwer sein müssen, stellt sich bei euch mittlerweile sicher die Frage:

Hilft das überhaupt?

Bin ich nach all dem endlich wieder die Tippfee, die jeden Tag ihre 30 Minuten perfekte Wörter heraus klimpert?

Nun ja… jein.

Der Weg…

Vielleicht erinnert ihr euch noch an meinen Blogpost aus dem letzten Jahr, als ich von Schreibgewohnheiten erzählt habe. Da habe ich 3 Möglichkeiten aufgezählt, wie man das Schreiben in seinen Alltag einbaut:

  1. Einen Stundenplan erstellen und das Schreiben als „Termin“ eintragen.
  2. Per Wenn-Dann-Regel das Schreiben an eine andere Gewohnheit koppeln, z.B. Immer wenn ich mir die Zähne putze, schreibe ich anschließend 10 Minuten.
  3. Morgens eher aufstehen und das Schreiben noch vor allen anderen Dingen erledigen.

Ich habe mich damals für Variante Drei entschieden und jeden Morgen einige Minuten mit Schreiben verbracht. Das ging einige Zeit gut, bis es dann eben nicht mehr funktioniert hat.

Danach bin ich mehr oder weniger bewusst zu Variante Eins übergegangen: Mithilfe des Selfjournals habe ich meine Tage in Zeitpläne unterteilt und mir für das Schreiben spezielle Zeiträume freigehalten. Auch das hat ganz gut funktioniert, bis ich dann das übergeordnete Ziel des Selfjournals erreicht und ans Ende des Planers angekommen war.

Beide Methoden haben in den jeweiligen Umständen funktioniert. Aber jetzt tun sie das nicht mehr.
Ich bin morgens einfach müde und die zusätzlichen 20 Minuten helfen mir nur bedingt. Der Nachteil, dass man nach Ablauf der Zeit nicht einfach weiterschreiben kann — weil man nämlich los auf Arbeit muss — hat sich doch als erheblich herausgestellt. Immer gerade wenn ich mitten im Schreibfluss war, musste ich los und den Bus erreichen.

Und die Sache mit den Terminen ist für mich momentan einfach nur schwer umsetzbar. Ich habe mich nach den abgelaufenen 13 Wochen nicht unbedingt freier gefühlt. Die Tatsache, dass meine Tage alle von vorn bis hinten durchgeplant waren, hat mich mehr gestresst anstatt mir zu helfen. Denn das, was ich da verplane, ist meine Freizeit. Und die sollte auch Platz für Spontaneität enthalten.

Bei genauerem Hinsehen kann ich erkennen, dass sich momentan für mich Variante Zwei herauskristallisiert hat. Während der Arbeitswoche schreibe ich abends, bevor ich ins Bett gehe — es sei denn, ich komme nach 21 Uhr nach Hause. Und am Wochenende schreibe ich gleich morgens nach dem Frühstück — es sei denn, ich bin bei meiner Familie. Da schreibe ich nach dem Mittagessen. Den Timer stelle ich dabei immer erstmal auf 10 Minuten, danach kann ich jederzeit aufhören (die Zeit läuft bei Forest weiter).

Die Regeln sind simpel genug, dass ich sie befolgen kann, aber lassen gerade genügend Flexibilität für meinen Wochenrhythmus zu:

Den Blogpost hier habe ich zum Beispiel am Montag abend begonnen. Eigentlich hätte ich an dem Tag nicht schreiben können, weil ich zum Schwimmen verabredet war. Ich wäre also erst nach 21 Uhr nach Hause gekommen. Da aber das Schwimmen ausfallen musste — meine Freundin ist krank — war ich vorher zu Hause und habe mich hingesetzt, bevor ich ins Bett gegangen bin. 10 Minuten und die ersten 300 Wörter waren geschrieben.

(250 davon habe ich am nächsten Tag gelöscht, aber trotzdem…)

Eines habe ich dabei allerdings völlig außen vorgelassen: Es ist mir mittlerweile egal, ob ich wirklich „jeden Tage“ schreibe.

… Ist das Ziel.

Ich schreibe, weil es mir Spaß macht. Und genau das sollte bei der ganzen Sache nicht zu kurz kommen.

Es bringt mir nichts, mich morgens eine halbe Stunde eher aus dem Bett zu quälen, wenn mir danach weder das Schreiben, noch das Aufhören Spaß macht. Es bringt mir auch nichts, mir mühsam einen Stundenplan auszutüfteln, wenn ich den nachher ohnehin vernachlässige oder verachte, weil ich lieber etwas anderes tun möchte.

Ich will, dass ich am Ende Geschichten fertig habe. Und zumindest das scheint in den letzten Wochen ganz gut zu funktionieren.

Ich habe Geschichte Nummer Zwei schon (fast) fertig.

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