Möge Die Macht Der Gewohnheit Mit Mir Sein

Macht der Gewohnheit

Jeden Abend putze ich mir die Zähne und schminke mich ab. Egal, wie spät es ist, wie müde ich bin oder wie sehr die Erde sich um mich dreht. Zähne putzen und abschminken. Dann erst geht’s ins Bett.

Das sind zwei meiner Gewohnheiten, über die ich gar nicht mehr nachdenke. Dinge, die ich einfach tue, über die ich keine Entscheidung mehr treffe.

In diesem Monat wollte ich auch das Schreiben zu so einer Gewohnheit machen. Ich hatte mir vorgenommen, an 25 Tagen im August zu schreiben. Rechnerisch bedeutet das, dass ich an maximal 6 Tagen das Schreiben mal „vergessen“ könnte.

Ich habe bereits jetzt 5 dieser Tage ausgereizt; noch bevor der Monat halb rum war.

Natürlich könnte ich jetzt sagen, dass es dafür Gründe gab. Meine Freunde haben geheiratet, ich musste auf eine After-Work-Veranstaltung, nach dem Sport war ich so müde… Tatsache ist aber, dass es solche Gründe immer geben wird. Wie soll ich es da schaffen, das tägliche Schreiben in meinen Alltag einzubauen?

Ich lese gerade ein Buch über Gewohnheiten und habe ein Problem mit meiner Schreibgewohnheit gefunden: Ich muss mich derzeit jeden Tag zu irgendeinem Zeitpunkt zum Schreiben entscheiden.

Mein Tagesablauf sieht fast jeden Tag anders aus. Unter der Woche bleibt nur eines jeden Morgen gleich: 7:15 Uhr geht’s los zur Arbeit. Aber wann ich wieder komme, ist nicht immer so genau vorhersagbar. An manchen Tagen komme ich sogar erst so spät abends wieder, dass ich nur noch ins Bett falle. Nachdem ich mir die Zähne geputzt und mich abgeschminkt habe, versteht sich.

Das ist ein Problem, denn so habe ich keine konkrete Schreibzeit, zu der ich mich hinsetze und los schreibe. Anders als beim Zähne putzen, das fast jeden Abend zur selben Zeit statt findet und durch andere Aktionen eingeleitet und begleitet wird.

Ein weiteres Problem ist für mich die Dauer. Die Idee, dass 10 Minuten am Tag schon ausreichen, um in seinem Schreibprojekt voran zu kommen, ist grundsätzlich nicht verkehrt. Klar, kann ich in 10 Minuten Wörter auf den Bildschirm bringen. Aber in der Zeit schaffe ich es nicht, mich ausreichend in die Geschichte einzufühlen. Meist sind es genau diese Wörter, die beim ersten Lektorat wieder herausfallen. Allerdings kann ich in 10 Minuten eine Outline oder ein paar Beats schreiben.

Es tun sich also schon mehrere Fragen auf, wenn ich schreiben will:

  • Wann fange ich an?
  • Wie lange schreibe ich?
  • Was schreibe ich?

Das sind drei Entscheidungen, die ich jeden Tag treffen muss und oft scheitere ich schon an Frage Nummer 1.

Wenn das Schreiben eine Gewohnheit ist, dann stellen sich diese Fragen nicht mehr. Es stellen sich überhaupt keine Fragen, denn wie beim Zähneputzen gibt es eine klare Regel, wann wie lange was geschrieben wird. Doch wie mache ich das Schreiben zur Gewohnheit, anstatt zur täglichen Übung?

Es gibt drei Möglichkeiten, die ich in Erwägung gezogen habe:

  1. Stundenplan: Erinnert mich ein bisschen an meine Schulzeit, das Teil. Dafür würde ich konkrete Zeiträume nachmittags für das Schreiben frei schaufeln. Das Problem dabei ist, dass ich nicht jeden Tag zur selben Zeit zu Hause bin. Außerdem lässt es keine spontanen Planwechsel zu.
  2. Wenn-Dann-Regel: Ähnlich wie beim Zähneputzen könnte ich das Schreiben auch an eine andere Gewohnheit knüpfen. So könnte ich zum Beispiel nach dem Abendbrot eine halbe Stunde Schreibzeit einplanen oder eine halbe Stunde vor dem Schlafen gehen. Problem hier wieder: Ich esse nicht immer zuhause Abendbrot und manchmal komme is so spät heim, dass ich sofort nach dem Zähneputzen ins Bett hüpfe.
  3. Der frühe Vogel fängt den Wurm: Okay, ich höre die Nachtschwärmer unter euch schon entsetzt aufschreien. Aber die dritte Möglichkeit ist einfach, jeden Morgen eher aufzustehen und meine Schreibzeit einzuschieben, bevor ich auf Arbeit fahre. Dann ist es völlig egal, wann ich abends zu hause bin oder ob ich noch ins Kino oder die Patenkinder besuchen fahre. Meine Schreibzeit hätte ich dann schon hinter mir.

Ich gebe offen zu, dass auch mich als Lerche die letzte Variante nicht besonders gereizt hat. Aber die anderen beiden Varianten erschienen mir so unsicher. Natürlich würde ich gerne jeden Abend, sofort nachdem ich die Wohnung betreten habe, eine halbe Stunde schreiben. Doch die Realität hat andere Pläne und manchmal bin ich müde, muss Luft auf meine Fahrradreifen pumpen, noch schnell etwas Obst kaufen oder es ruft die neueste Dokumentation über die Crossfit Games.

Deswegen habe ich mich zur Variante drei durchgerungen:

Seit vergangenem Montag klingelt mein Wecker jetzt eine halbe Stunde eher. Ich mache mich kurz frisch und setze mich dann 15 Minuten zum Schreiben hin.

Was mich am meisten überrascht hat: Meine Schreibgeschwindigkeit ist in dieser Zeit recht hoch. Ich schaffe fast immer um die 500 Wörter in der Zeit und in den letzten Tagen habe ich einige Probleme mit der derzeitigen Kurzgeschichte auf meinem Reißbrett gefunden und gelöst. Und so schlimm ist das mit dem zeitigen Aufstehen mittlerweile auch nicht mehr.

Ein weiterer Vorteil: Ich kann abends ganz beruhigt mit dem Wissen ins Bett gehen, dass ich meine Tagesration an Wörtern eingeklimpert habe. Egal, was sonst an dem Tag passiert ist – oder eben nicht passiert ist. Nachdem ich Zähne geputzt habe, versteht sich.

Seid ihr eher Frühaufsteher oder Nachteulen? Was wollt ihr zu einer Gewohnheit machen?

3 thoughts on “Möge Die Macht Der Gewohnheit Mit Mir Sein

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