Self Care in einer depressiven Phase

Wer die letzten Blogposts aufmerksam gelesen hat, wird es schon bemerkt haben: Ich steckte in den letzten Wochen tief in einer depressiven Phase.

Bis zur Hüfte im Morast der Müdigkeit, Trostlosigkeit und Dunkelheit.

Auch wenn ich letzte Woche schon einen motivierenden Blogpost geschrieben habe, konnte ich mich eigentlich erst gestern wieder halbwegs vollständig aus dem Morast befreien.

Zwischendurch habe ich so ziemlich alle Tricks angewendet, die ich bislang im Kampf gegen diese depressiven Phasen gefunden habe.

Ein kleiner Diskurs vornweg: Depressive Phasen hat jeder mal. Sie kommen mit der dunklen Jahreszeit natürlich vermehrt vor, aber je nach persönlicher Situation — Job, Familie, Beziehungen, Gesundheit — tauchen sie immer mal wieder auf. Manchmal absehbar, manchmal unverhofft. Als introvertierter Mensch mit einem sehr ausgeprägten inneren Kritiker kommt so eine Phase bei mir ein paar Mal im Jahr.

Das ist also nicht ungewöhnlich und gehört zumindest zu meinem Leben dazu. Auch wenn die Phase kürzlich etwas heftiger ausfiel als sonst.

Hunger. Müde. Pipi. Kalt.

Schlechte Laune habe ich auch ohne depressive Phase manchmal.

Ja, gut, ich höre euch schon schreien: Es ist öfter als manchmal. Trotzdem.

Eine schlechte Laune geht spätestens nach dem Schlafen gehen wieder weg. Ein ordentliches Stück Kuchen, eine Packung Ben & Jerry’s, eine Folge der Lieblingsserie und danach ins Bett gefallen… schwupps, ist alles wieder gut.

Bevor man sich selbst eine depressive Phase diagnostiziert, sollte man erstmal eins tun:

Schlafen

Mein Vater sagte früher immer:

„Morgen sieht alles schon ganz anders aus.“

Ich habe diesen Spruch gehasst wie die helle Pest. Abgrundtief. Wenn er schon anfing, hätte ich schreien können. Tut es nicht, wollte ich sagen.

Aber er hat eben recht.

(Was bin ich froh, dass mein Vater die Blogeinträge nicht liest. Sowas kann man sonst ja nicht laut sagen…)

Irgendwann habe ich mal eine wissenschaftliche Erklärung dafür gefunden: Nachts arbeitet dein Gehirn und verbindet neue Synapsen miteinander, sodass du neue Lösungsansätze findest.

Also, geh schlafen.

Oder besser:

Ein Bad nehmen

Wenn du keine Badewanne hast, reicht eine heiße Dusche. Aber wenn du eine hast, dann nutze die Chance.

Lass dir heißes Wasser ein, und verschwinde bis zum Hals in heißem, toll duftenden Badeschaum.
Und dann tu das, was so ziemlich alle meiner Freundinnen — mich eingeschlossen — als das „beste Gefühl der Welt“ beschreiben:

  • Creme dich ein.
  • Bezieh dein Bett neu.
  • Zieh einen frisch gewaschenen Schlafanzug an.
  • Geh schlafen.

Es gibt, ohne Frage, nichts „muckeligeres“, als sich so in die Kissen zu kuscheln.

Hilft nicht?

Ein doofer Tag lässt sich damit ziemlich gut beenden. Wenn ich aber früh aufwache und immer noch alles doof finde, dann tue ich erstmal eins:

Spazieren gehen

Ich wohne recht nah an verschiedenen Parks. Als es vor ein paar Wochen über Nacht schön geschneit hatte, habe ich mir früh meine Winterklamotten über geworfen und bin erstmal 3 Stunden draußen unterwegs gewesen.

Die frische Luft tat gut, und die Bewegung ihr Übriges. Ein bisschen Sonne lugte auch hinter den grauen Wolken hervor. Und der ein oder andere Hund kam zu mir und wollte wissen, ob ich mit ihm spiele.

Gut essen

Danach habe ich mir mein „comfort food“ gekocht: Hühnernudelsuppe. Der Tag war plötzlich irgendwie nur noch halb so doof.

Auch wenn ich in depressiven Phasen auch gerne Mal Schokolade oder Eis verdrücke, versuche ich meist, eher warme Gerichte zu essen. Zum einen haben die weniger Zucker — der führt nämlich nach einem kurzen High recht schnell wieder zum Fall in den Morast — und zum anderen sind sie warm. Genauso wie das Badewasser und die Kuscheldecken im Bett.

Also, gönn dir was. Wenn du nicht kochen willst, geh und bestell dir das 20-Euro-Steak im Restaurant. Oder, wenn es was Süßes sein soll, nimm die Lindt-Pralinenpackung anstatt der Billig-Schokotafel. Mach dir einen schönen heißen Kakao.

Darüber reden

In einer schlechten Phase tendiere ich eher dazu, mich einzuigeln. Ich will allein sein, auch wenn gerade diese Einsamkeit mich noch tiefer in den Morast zieht.

Also, so schwer es mir fällt, rede ich darüber. Es ist nicht einfach nur tagelang zu sagen:

„Es geht mir nicht gut, aber ich weiß nicht, wie ich es besser machen soll. Nichts hilft. Alles ist doof.“

Aber es macht es besser. Wenn Freunde dir zuhören, dich auch mal in den Arm nehmen oder auch einfach mal Mut zusprechen, hilft das enorm. Ich bin froh, dass ich da in den letzten Wochen Leute hatte, die mir eben das gegeben haben.

Und sonst so?

Ich habe eingangs erwähnt, dass ich erst gestern so richtig wieder aus der Phase gekommen bin. Das liegt für mich persönlich an einem ganz bestimmten Akt:

Ich habe gestern aufgeräumt.

Staub gewischt, Wäsche gewaschen, Bad geputzt, Couch freigeschaufelt.

Für mich bedeutet äußere Ordnung auch innere Ordnung. Allerdings weiß ich, dass es nicht allen so geht, deshalb steht es nicht oben auf der Liste, die ich für recht allgemeingültig halte.

Auf meiner persönlichen Liste steht auch: zum Sport gehen, meine Patenkinder besuchen, Tagebuch führen.

Das Wichtigste

Der letzte Punkt fällt mir am schwersten. Einfach mal alle Fünfe grade sein zu lassen, ist gegen meine Natur. Ein ganzes Wochenende nichts zu machen außer spazieren zu gehen und zu schlafen, fühlt sich immer etwas falsch an.

Aber gerade in einer depressiven Phase ist nichts wichtiger als das:

Sei nett zu dir selbst.

Im Fall der Fälle

Zum Schluss noch ein paar ernstere Worte:

Sollte die Phase gar kein Ende nehmen, das Leben immer aussichtsloser erscheinen, die Tage immer trüber werden… such dir professionelle Hilfe.

Wer sich ein Bein bricht, geht ins Krankenhaus. Wer schlecht sehen kann, geht zum Optiker. Wer erkältet ist, geht zum Apotheker.

Also: Wenn die Last auf deinen Schultern zu schwer wird, geh zu jemandem, der dir tragen hilft.

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One thought on “Self Care in einer depressiven Phase

  1. Papili

    Also … naja … ich wollt da bloß mal ganz nebenbei sagen … aber nun nicht gleich erschrecken … dass dein Vater auch den Blogg liest. Das sind ja quasi so ’ne Art Ganzkurzgeschichten für zwischendurch. Vielleicht nicht gerade Fantasie … aber dennoch fantastisch. Und nun raus aus dem Depriloch … es wird Frühling … bald ;o)

    Reply

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