Warum der kreative Brunnen bei mir kein Brunnen ist

kreativerinput

Letztes Wochenende bin ich 6 Stunden mit dem Fernbus gefahren, um eine Freundin zu besuchen.

Im Bus zu schreiben habe ich schon früher mal probiert. Das ist für mich nichts. Ohnehin wollte ich mit minimalem Gepäck fahren. War ja nur für ein Wochenende.

Was bedeutete das für mich also? 6 Stunden ungestört lesen! Da könnte ich meine vorgenommene Leseliste für Juli auf jeden Fall schaffen.

Auf der Hinfahrt habe ich gleich das zweite Buch der FederLeicht-Saga fertig gelesen und mir in der restlichen Zeit eine Folge des Creative Penn Podcasts angehört.

(Ich habe außerdem meiner Sitznachbarin ein paar Pfirsichstücke aufgeschwatzt und ihr beim Häkeln eines Minikrakens zugeschaut, aber das ist eine andere Geschichte.)

Die Rückfahrt stand nun am Sonntag an und ich war froh, wieder in Elizas Welt zurück kehren zu dürfen.

Aber irgendwie auch nicht.

Ich quälte mich durch die erste Buchhälfte und legte den Reader dann weg. Ich verstand selber nicht: Da hatte ich schon mal so viel Zeit, in der ich nichts anderes machen konnte und dann wollte mein Kopf nicht lesen! Oder besser: Er konnte nicht.

Ich hatte mich vorbereitet und in Evernote eine Notiz erstellt, damit ich für die restlichen Kurzgeschichten dieses Jahr schonmal die Beats schreiben konnte. Aber auch das funktionierte nicht.

In meinem Kopf wehten Steppenhexen über Wüstenebenen.

Mein Hintern tat weh, ich hatte Hummeln in den Beinen und wollte einfach nur noch nach Hause. Oder eben eine Runde um den Block laufen.

Auf der Autobahn eher schwierig umzusetzen.

So geht es mir manchmal auch, wenn ich Serien schaue. Ein, zwei Episoden sind okay, aber spätestens dann werde ich des Ganzen überdrüssig. Gut möglich, dass ich dann wochenlang keine Folge der Serie mehr schaue, obwohl ich eigentlich sehr an der Story interessiert bin.

Tatsächlich ist es sogar so, dass ich nach einem Episodenmarathon eine Serie manchmal nie wieder ansehe. White Collar, The Good Wife, Suits… es gibt noch mehr Beispiele.

(Das einzige Gegenbeispiel, das mir einfällt, ist Elementary. Das ist für mich eine „binge watch“ Serie. Aber auch da sind die Abstände zwischen den einzelnen „Sitzungen“ recht groß.)

Warum ist das also so? Ich hatte ja nun genug Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Viereinhalb Stunden, um genau zu sein.

Schuld ist wohl der „kreative Brunnen“.

Der Terminus wird oft in Zusammenhang mit einer Schreibblockade verwendet. Jeder hat demnach einen solchen kreativen Brunnen, aus dem er sich bedient, wenn er etwas „schafft“. Wenn man zu viel auf einmal aus dem Brunnen schöpft, dann kann es schon mal vorkommen, dass er austrocknet. Die oben schon erwähnten Steppenhexen sind die Folge. Wie aber bei jedem Brunnen füllt der sich selbst nach einer gewissen Wartezeit wieder mit Wasser. Oder man hilft mit kreativem Input nach.

Nun ist mein Brunnen anscheinend eher eine Schale.

Mit anderen Worten: Sie hat ein begrenztes Fassungsvermögen. Und wenn zu viel drin ist, dann läuft sie eben über.

Nachdem ich also auf der Hinfahrt schon fast 200 Seiten gelesen hatte, reichte der Platz in meiner Schale einfach nicht mehr aus.

Warum aber konnte ich dann trotzdem keine Beats für meine Geschichten schreiben?

Gekonnt hätte ich sicherlich, wenn ich mich denn gezwungen hätte. Aber ich war über mich selber so geärgert, dass ich es gar nicht erst richtig probiert habe.

Nachdem ich in Evernote meine Gedanken etwas sortiert hatte — und diese in den Anfängen dieses Blogposts niedergeschrieben hatte — ging es mir schon wesentlich besser.

Und schwupps, Montag morgen im Bus war alles wieder gut.

Es gibt für mich eben so etwas wie „zu viel des Guten“. Zu viel Inspiration. Zu viel Entertainmentkonsum. Zu viel kreativer Input.

Oder aber, es lag einfach an der Hitze.

Und den unbequemen Sitzen.


Geht es euch auch manchmal so, dass einfach nichts geht? Egal, wie sehr ihr euch auf ein Buch, einen Film, eine Serie konzentrieren wollt, es klappt einfach nicht?

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