Warum eigentlich Kurzgeschichten?

Kurzgeschichten sind so eine Sache.

Ich habe mittlerweile schon ein paar Mal drüber gesprochen, warum ich welche schreibe.

Aber das letzte Mal, dass die meisten Menschen (meine werten Leser ausgeschlossen) mit Kurzgeschichten konfrontiert wurden, war sicher in der Schule. Und wer den Lehrplan der deutschen Schulen kennt, wird erahnen können, dass diese Kurzgeschichten nicht aus diesem Jahrhundert stammen…

Es sei denn, ihr seid Eltern. Dann habt ihr sicher schon alles von der Raupe Nimmersatt, Conny und ihren Freunden sowie den gruseligen Geschichten der Brüder Grimm oder Andersen gelesen.

Genau genommen hatte ich, bevor ich selber mit dem Schreiben begonnen habe, auch kaum welche in Erinnerung. Ich wusste nicht mehr genau, worauf es bei einer Kurzgeschichte ankam — trotz der zahlreichen Analysen und Interpretationen im Deutschunterricht.

Dass ich sie wieder entdeckt habe, ist vor allem einem Freund zu verdanken.

Die Crux der langen, kurzen Autofahrten

Mein Freund war im Außendienst tätig und musste den ganzen Arbeitstag immer wieder im Auto sitzen und von Laden zu Laden fahren. Da wird irgendwann auch jeder Musiksender nervig. Aber für ein richtiges Hörbuch waren die Autofahrten zu kurz — immer, wenn es spannend wurde, musste er aussteigen.

Er fand über drei Ecken des Internets schließlich ein paar Podcasts, die sich mit Kurzgeschichten beschäftigen. Und stupste so auch mich darauf.

Der erste Podcast, den ich so fand, war DrabbleCast. Im Bereich Science Fiction und Fantasy gibt es diverse englische Magazine und Podcasts, die sich auf Kurzgeschichten spezialisiert haben.

Jede Episode der Podcasts ist meist zwischen 15 und 45 Minuten lang und erzählt eine Kurzgeschichte. Das ist die perfekte Länge für eine Autofahrt, die Busfahrt früh zur Arbeit oder die Wartezeit beim Zahnarzt.

Nachdem ich letztes Jahr mit dem Schreiben auf Deutsch begonnen habe, war die Enttäuschung groß. Denn hierzulande scheint das Thema noch gar nicht in Mode gekommen zu sein.

Des Deutschen liebstes Buch ist laaaaang

Vielleicht liegt das an unserer generellen Einstellung zu Büchern und Verlagen. Wer liest, beweist Intellekt. Und wer nicht liest — aus welchen Gründen auch immer — der ist eben… nicht intellektuell.

Oder so.

Doch Tatsache ist, dass viele gar keine Zeit mehr haben, sich durch „Herr der Ringe“ oder den vierten Teil der „Eragorn“-Reihe zu schmökern. Oder sie lesen zu unregelmäßig, als dass sie den roten Faden behalten könnten. Oder die poetischen Ausführungen eines 500-Seiten-Romans sind ihnen schlichtweg zu langweilig.

Dabei sind es genau die Leute, die die perfekten Leser von Kurzgeschichten wären. Denn Kurzgeschichten bieten eine tolle Abwechslung zu den üblichen „Zwischendurchaktivitäten“.

  • Anstatt im Bus durch das Facebook-Feed zu scrollen und sich zu ärgern, dass man gerade nicht in Barcelona ist (wie die Freundin) oder eine perfekt angerichtete Buddha Bowl verzehrt (wie der Fitnessguru), könnte man genauso gut in eine fremde Welt abtauchen.
  • Anstatt sich im Warteraum beim Zahnarzt den neuesten Klatsch und Tratsch der Boulevard-Presse reinzuziehen (Spoiler Alert: Irgendjemand ist schwanger, jemand hat zu- oder abgenommen, ein anderer hat seine/n Partner/in betrogen und irgendeine Farbe, die du gerade nicht im Schrank hast, wird in der nächsten Saison Trend sein.), könnte man genauso gut dem roten Faden eines Kurzkrimis folgen.
  • Anstatt abends im Bett noch ein letztes Mal die Emails zu checken (die am nächsten Morgen auch noch da sind), könnte man auch noch einen kurzen Blick in eine Flash Fiction Geschichte werfen.

Die Mischung macht’s doch erst spannend. Wenn man drei tage seinen Facebook-Feed nicht angeschaut hat, entdeckt man viel mehr tolle neue Sachen, als wenn man ihn alle fünf Minuten aktualisiert 😉

Meine Favoriten

Leider habe ich, wie gesagt, im deutschsprachigen Raum nicht wirklich etwas zu Kurzgeschichten gefunden. Dafür gibt es auf Englisch eine ganze Reihe toller, regelmäßig aktualisierter Magazine:

Es gibt sicher noch zahlreiche mehr, aber das sind meine Favoriten.

Oh, und nicht zu vergessen, meine Kurzgeschichten natürlich 🙂

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