Warum es keine leichten Geschichten gibt

Ich habe immer viele Ideen für Geschichten in meinem Kopf.

Oft geistern gleichzeitig mehrere kleine und große Ideen herum. So auch im letzten Jahr, als ich mich entschied, den großen Schritt zu einer längeren Geschichte zu wagen. Da hatte ich zwei.

Also, zwei konkrete Ideen, die schon groß ausgebaut waren in meinem Kopf. Zwei, von denen ich genau wusste, wohin ich damit wollte, was die Kernaussage war und weshalb ich diese Geschichte unbedingt schreiben musste.

Ich entschied mich für die leichtere.

Haha.

Wer hat beim letzten Satz lauthals gelacht? Wahrscheinlich nur ich, auch wenn das eher ein hysterisches Lachen war.

Wenn ich in den letzten Monaten eins gelernt habe, dann das: Es gibt keine leichten Geschichten.

Jede Geschichte ist in sich komplex und jede verlangt ihren eigenen kleinen Tod vom Autor. Ja ja, ich weiß wie dramatisch das klingt. Aber es fühlt sich ein bisschen so an.

Die Geschichte, die ich nicht gewählt habe

Eine Science-Fiction-Welt mit einer Protagonistin, deren Orakel ihr den Tod innerhalb eines Jahres voraussagt. Natürlich ist nicht alles so, wie es scheint. Vor allem nicht das allwissende Orakel.

Das war mein Projekt im letzten erfolgreichen NaNoWriMo. Ich habe dazu also schon einmal einen Entwurf geschrieben, der — bei Licht betrachtet — viel zu kurz und facettenlos ist. Allerdings habe ich bei der Ausarbeitung der Outline bemerkt, wie „schwer“ diese Geschichte für mich ist.

Ich entschied mich letztes Jahr also erstmal für den Weg des geringsten Widerstandes. Also: „alles, nur nicht das“.

Die Geschichte, die ich gewählt habe

Eine Urban-Fantasy-Geschichte, deren Protagonistin versucht, den Tod ihrer Cousine zu verhindern. Natürlich ist auch hier alles nicht so, wie es scheint. Vor allem nicht die vermeintliche Rettung besagter Cousine, die alles anscheinend nur noch schlimmer macht.

Die Geschichte war schon ziemlich klar in meinem Kopf geformt. Hier und da habe ich ein paar Details noch ergänzen müssen, aber sie schien mir als schon „da“. In meinem Kopf hatte ich sie ja schon geschrieben.

Also, entschied ich mich für dieses wunderbar leichte Projekt, das sicher ein super Einstieg in meine Buchschreiberei werden würde.

Der Irrglaube, dass es „leichte“ Geschichten gibt

Nein, die Geschichte ist nicht leicht. Ich sitze nun schon seit einiger Zeit an der Überarbeitung des ersten Entwurfs und habe nicht das Gefühl, etwas besser zu machen. Dabei hatte mich die depressive Phase im Januar voll im Griff, die fehlenden Erfolgserlebnisse, der düstere Dezember im Allgemeinen… und dazu leider noch ein Trauerfall in meinem Bekanntenkreis, der mich mehr aus der Bahn geworfen hat als ich es je vermutet hätte.

Das Leben hat mir so ziemlich alles an Steinen in den Weg gerollt, das es finden konnte. Als ich mich über Silvester bei meiner Freundin ausheulte, sagte sie — weise, wie immer:

„Das Universum gibt dir immer das, woran du jetzt in diesem Moment arbeiten musst. Hättest du all diese Widerstände nicht, würdest du nichts lernen.“

Recht hat sie. Doof ist das trotzdem.

Denn jetzt ist die Geschichte wichtiger als vorher. Ich habe neue Einblicke gewonnen, die ich mit einbauen muss. Und der Traum von dem „schnell geschriebenen Buch“ ist erstmal geplatzt.

Vielleicht war der sowieso utopisch.

Schließlich ist das mein erstes Buch und wieso sollte das leicht sein? Wieso sollte das schnell gehen? Es gibt doch so viel zu lernen, nicht nur über mich und das Universum und… ja, auch irgendwie den Tod.

Sondern auch über das Schreiben an sich.

Wenn ich auf meine ersten Kurzgeschichten zurück schaue, dann sind die nicht alle fantastisch. Im Gegenteil. Aber sie werden mit der Zeit immer besser. Manchmal vergesse ich, wie viel Zeit da drin steckt:

2 Jahre.

Ich habe den Blog seit zwei Jahren und mittlerweile 18 Kurzgeschichten hier veröffentlicht. Und trotzdem fällt mir das Schreiben an manchen Tagen immer noch unendlich schwer.

Ich habe geglaubt, ich könnte einfach – easypeasy – aus ein paar Kurzgeschichten extrapolieren und dann hätte ich einen Roman. Oder wenigstens eine Novelle. Aber ein Buch verlangt eben doch etwas ganz anderes.

Deshalb gibt es keine leichten Geschichten:

Weil jede Geschichte eine neue Lektion ist, die der Autor zu lernen hat.

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