Warum ich keine professionelle Autorin mehr sein will

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Die reißerische Überschrift wirft Fragen auf.

Schließlich schreibe ich ja selbst auf meiner ÜBER MICH-Seite das genaue Gegenteil. Wieso also dieser Post?

Da muss ich ein wenig weiter ausholen.

Ich habe kürzlich ein Buch von Monica Leonelle gelesen: 8 Minute Writing Habit. Ich lese öfter Bücher über’s Schreiben an sich und von ihr hatte ich schon in einigen Podcasts gehört. Das Buch dümpelte schon eine Weile auf meinem eReader vor sich hin als ich es schließlich vor ein paar Wochen wieder entdeckte.

Leonelle schreibt in diesem Buch davon, dass man mithilfe von 8 Minuten Schreibens täglich voran kommen kann. „Kann“ ist hier das operative Wort, denn sie schreibt auch, dass bei den meisten Leuten nicht unbedingt die Tippgeschwindigkeit das Problem ist.

Vielmehr sind es verschiedene persönliche Einstellungen bzw. Probleme, die eine mentale Blockierung schaffen.

Eine ebendieser Blockierungen ist die Träumerei. Dass man eben nicht das Schreiben an sich genießt, sondern immer nur auf das Ergebnis wartet.

Frei nach dem Motto:

„Ich liebe es nicht zu schreiben. Ich liebe es, geschrieben zu haben.“

In dieser Beschreibung habe ich mich doch sehr wieder gefunden: Als ich im Oktober meinen Controlling-Kurs angefangen habe, war ich hoch motiviert. Nach einigen Hürden Anfang des Jahres hinkte ich eine Weile hinter dem Pensum hinterher bis ich den Kurs schließlich Ende Mai abschloss. Doch vor allem während der letzten Monate hatte ich eben genau dieses Gefühl: Das Lernen an sich hat mich weniger interessiert, vielmehr wollte ich „endlich fertig“ sein. Ich habe viel gelernt während des Kurses, aber ich war eben auch müde.

Je mehr ich darüber nach dachte, ging es mir auch letztes Jahr mit dem Schreiben so. Ich wollte keine Geschichten schreiben, sondern ich wollte Geschichten geschrieben haben. Ich wollte fertig sein. Ich wollte etwas vorweisen können.

Ich wollte nicht Autorin werden, sondern eine sein.

Und die Tatsache, dass ich keine war, hat mich unglaublich frustriert.

Genau davor warnt Leonelle in ihrem Buch. Dieses Phänomen des Müde-Werdens, weil man nicht den Prozess genießt, sondern dem Ergebnis hinterher hechtet.

Ich ändere also nicht mein Vorhaben an sich. Mein Ziel ist es noch immer, mit dem Schreiben auch Geld zu verdienen. Ich möchte also noch immer eine professionelle Autorin werden.

Genau: „werden“. Nicht „sein“.

Das Wörtchen „sein“ vermittelt einen gewissen Druck, denn der Zustand des „Nichtseins“ bedeutet automatisch, dass ich dem Ziel noch nicht gerecht worden bin.

Ich ändere also mit dem Wort „werden“ meinen Blickpunkt. Und plötzlich wird das, was ich tue, meinem Ziel gerecht. Eine schlechte Kurzgeschichte bringt mich trotzdem weiter, weil sie mich etwas lehrt. Dass ich keine Leser habe, ist kein Problem, denn ich arbeite daran, welche zu finden. Dass ich nichts veröffentlicht habe — zumindest nichts, womit ich Geld verdiene — ist kein Zeichen meiner Unzulänglichkeit, sondern eben einfach ein Teil des Prozesses.

Ein Teil des „Werdens“.

Ich möchte also keine professionelle Autorin sein.

Ich möchte eine werden.


Kennt ihr das Gefühl, sich von dem Wunsch des „Fertig seins“ unter Druck zu setzen? Macht ihr das vielleicht selbst in anderen Bereichen eures Lebens?

2 thoughts on “Warum ich keine professionelle Autorin mehr sein will

  1. Franzi

    juhu caro,
    du sprichst mir doch tatsächlich aus der Seele. Ich hatte vorher noch nicht darüber nach gedacht, aber das ist eine Erklärung… z.B.: das Nähen: Ich finde es cool etwas selbstgenähtes zu tragen, aber ich genieße nicht den Weg dahin. Das lernen macht mir da keinen Spaß. Ich will es schon können … Spanisch lernen … das gleiche 😀
    Danke für deinen Tip. Ich versuche es auch mal mit der veränderten Herangehensweise.
    Franzi

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    1. Care Post author

      Ja, das geht auch mir nicht nur mit dem Schreiben so! Ich hoffe, dass es dir ein bisschen hilft, den Prozess zu genießen und dich über das Lernen oder eben das Nähen an sich zu freuen 🙂

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