Category Archives: Geschriebene Worte

Tschüss April. Hallo Bett.

Ich mache drei Kreuze, wenn der April sich heute endlich verzieht.

Versteht mich nicht falsch, der April war gut zu mir. Sehr gut sogar. Aber er hat mir auch mehr abverlangt als je ein Monat zuvor.

Da gab es einen Junggesellinnenabschied, meinen Geburtstag, Ostern, mein erstes Buch, eine Hochzeit, eine Fachtagung und… ach ja, mein erstes Buch. Hatte ich das schon erwähnt? 😉

All die großen Ereignisse mit all den vielen Menschen haben mir Stück für Stück den Verstand geraubt.

Schon letzte Woche habe ich die Spuren deutlich gemerkt. Meine Laune kannte nur zwei Modi: Draufhauen oder Zusammenrollen und Heulen.

Ich war schlicht menschenmüde.

Gesellschaft ist wie Tauchen.

Ich mag meine Familie. Ich mag meine Freunde. Ich mag auch Fachtagungen. Aber das Zusammentreffen mehrerer Menschen ist für mich immer vergleichbar mit Tauchen.

Im ersten Moment, wenn man den Kopf unter die Wasseroberfläche tunkt, ist alles toll. Aber mit der Zeit wird die Luft knapp, Schmerz setzt ein in der Lunge. Egal wie gut man die Luft anhalten kann, irgendwann muss man immer auftauchen und Sauerstoff tanken.

Das Universum hat mir glücklicherweise Freunde geschenkt, die meine Macken verstehen. Wenn ich mitten im Gespräch plötzlich „abschalte“ oder während einer Feier mal eben zehn Minuten draußen auf dem Gelände spazieren gehe, nehmen sie mir das nicht krumm.

Ich war im April verhältnismäßig lange unter Wasser. Ich habe oft die Luft angehalten und bin viel zu selten aufgetaucht. Und nun bin ich erschöpft und überglücklich über den freien Montag.

Denn heute und morgen passiert mal absolut gar nichts.

Ich esse Nudelsuppe, lese und überlege nebenbei, was ich denn jetzt genau mit Morpheus machen werde.

Menschenmüde, weltmüde, kreativmüde

Ich habe durchaus schon ein paar Wörter neu geschrieben. Ich habe die Datei neu sortiert und weiß genau, wie die Geschichte werden soll.

Aber irgendwie wollte alles nicht so kommen.

Ich habe mich in der letzten Woche durch den Entwurf gequält. Ich habe das Ziel absichtlich minimal gesetzt und immer nur mit Ach und Krach erreicht.

So sollte das eigentlich nicht laufen. Denn das Schreiben sollte doch Spaß machen. Und im Hinterkopf ist der Spaß auch durchaus vorhanden. Ich brenne darauf, die nächsten Geschichten zu formulieren.

Aber der Eimer im Kreativbrunnen scheint ein Loch zu haben.

Den muss ich dieses Wochenende erstmal reparieren.

In der Zwischenzeit habe ich eine super Leseempfehlung für euch, wenn ihr mal kurz zwischendurch abtauchen wollte. Ich habe da nämlich eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht 😉

„Nebelfäden“ ist auf Amazon als eBook und Paperback erhältlich.

Nebelfäden – Mein erstes Buch

Tadaa!

Ich kann es noch kaum glauben, aber jetzt ist es offiziell:

Seit Ostersamstag ist mein erstes Buch veröffentlicht und auf Amazon erhältlich.

Das gute Stück heißt Nebelfäden und enthält 9 Kurzgeschichten.

Sechs davon werden dem geneigten Leser meines Blogs bekannt vorkommen, da ich sie vorher hier veröffentlicht hatte. Dazu sind drei neue Geschichten – quasi frisch von der Wäscheleine – gekommen, die sich in die Reihe fantastischer, seltsamer, futuristischer Geschichten perfekt eingliedern.

 

Neun Kurzgeschichten. Für abends. Für morgens. Oder Zwischendurch.

Folge Lara, die am ersten Tag ihres neuen Jobs feststellt, dass in der lukrativen Seidenfabrik einige Geheimnisse verborgen sind. Kevin, der sich bei einem Bewerbungsgespräch immer tiefer in seine eigenen Geheimnisse verstrickt. Martin, der seiner Kollegin in die Vergangenheit folgt, aber in der Zukunft ankommt. Tom, der seine Frau sucht und etwas ganz anderes findet. Abree, deren Vorliebe für Fakten ihr am letzten Tag vor ihrem Urlaub zum Verhängnis wird. Dem Professor, der sich beweisen will und dabei nur auf sich selbst hört. Eve, die genau weiß, wo sie hin soll aber nicht, wie sie an dem Schatten vorbei kommt. Sarah, die nicht weiß, wie sie hier her gekommen ist. Und Mary, deren Entscheidung riesige Auswirkungen haben wird — nicht nur auf sie selbst.

Spannend und mysteriös, stellt jede Geschichte eine zentrale Frage für den Leser: Wo, in all dem Nebel, ist der Weg zu uns selbst?

Neugierig geworden? Dann könnt ihr das Buch auf Amazon als eBook oder Paperback kaufen:

Paperback Kindle eBook

 

Es ist vollbracht. Panik setzt ein.

Am Mittwoch habe ich meiner Freundin auf Whatsapp geschrieben:

Es ist vollbracht. Die Panik setzt ein.

Sie war Gott sei Dank beschäftigt, sodass ich mich in meine Panik nicht reinsteigern konnte. Stattdessen habe ich mir eine Folge Elementary angesehen und ein Buch fertig gelesen.

Ich kann ihr Augenrollen förmlich vor mir sehen, obwohl wir in unterschiedlichen Städten wohnen. Sie versteht nicht, warum für mich das Fertigstellen meiner Geschichten für die Sammlung eine Panik auslösen sollten.

Sollte ich nicht eher jubeln und einen Sekt aufmachen? Oder zumindest einen Gintonic trinken?

Ja, sicherlich. Aber mein innerer Kritiker ist natürlich wieder übermäßig laut. Und jetzt noch übermäßiger als vorher, denn: Jetzt gibt es keine Ausrede mehr.

Die Geschichten sind fertig. Die Widmung ist drin, die Danksagung auch. Mittlerweile liegt eine Version beim Korrekturleser. Das Cover ist in Arbeit.

Früher oder später muss ich mich dem Ganzen stellen und die Sammlung veröffentlichen.
Das macht angreifbar, verletzlich. Und für einen Perfektionisten wie mich ist das allemal Grund zur Panik. Wenn auch ein irrationaler Grund.

In solchen Momenten denke ich gerne an ein Interview mit einer Autorin, die sinngemäß sagte:

Ich bin kein Arzt. Niemand stirbt, wenn ich einen Fehler mache. Es sind nur Wörter auf Papier.

(Ich wünschte wirklich, ich würde mir mehr Notizen dazu machen, wenn jemand etwas Tolles sagt. Ich habe wirklich keine Ahnung mehr, wer diese Weisheit von sich gegeben hat.)

Natürlich hilft das auch nur in Ansätzen. Diese Ur-Angst ist trotzdem noch da, auch wenn ich mein Bestes tue, mich nicht davon einschüchtern zu lassen.

Denn ich freue mich trotzdem riesig darauf, euch das Buch bald vorzustellen. Und ich hoffe natürlich, dass es euch beim Lesen mindestens genauso viel Spaß macht, wie es mir beim Schreiben Spaß gemacht hat.

Auch, wenn es nicht perfekt ist.

Und zum Schluss noch ein kleiner Vorgeschmack auf die zweite „Extrageschichte“ in der Sammlung:

Das Licht geht zum dritten Mal an.

Ich bin also seit drei Tagen hier. Sie haben das Licht drei Mal aus und wieder angeschaltet. Das heißt doch, dass es drei Tage sind, oder?

Ich mache meine Augen nicht gleich auf. Die Wände meiner Zelle sind weiß, genau wie die Decke, der Tisch, der Stuhl, die Laken meines Bettes und was auch immer sie mir hier zum Anziehen gegeben haben. Das Licht ist zu grell.

Alles, bis auf das Rührei, das auf dem weißen Teller — auf einem weißen Tablett, mit einer weißen Plastikgabel — liegt und durch eine kleine Öffnung durch die Tür geschoben wird. Es riecht dafür nach nichts, nicht einmal nach Wärme.

Sie werden heute wieder kommen, die Männer in den weißen Kitteln. Seit drei Tagen fragen sie mich immer dasselbe und ich antworte immer dasselbe.

„Willst du darüber reden?“ fragen sie.

„Worüber?“ frage ich.

„Über das, was passiert ist“, sagen sie.

„Was ist denn passiert?“ frage ich.

„Also nicht.“

Sie kommen, sie fragen, sie gehen. Und dann wird es dunkel.

Draußen ertönen Schritte, die Tür wird aufgerissen und jemand kommt herein. Die Leute wechseln ein paar geflüsterte Worte, die ich nicht ausmachen kann.

Die Tür wird wieder geschlossen. Schritte führen zum Tisch, ziehen den Stuhl näher an mein Bett heran. Ich möchte eigentlich nicht aufsehen, aber meine Augen gehen wie von allein auf.

Da ist Farbe.

Ich richte mich in meinem Bett auf. Es ist ein ungewöhnlich gemütliches Bett für eine Zelle.

Auf dem Stuhl sitzt eine Frau. Sie ist etwa im Alter meiner Mutter und trägt ihre Haare — genau wie meine Mutter — in einem Dutt. Auf ihrem Schoß liegt ein weißer Hefter und sie sieht mich erwartungsvoll über ihre Brillengläser an.

Ihr Kleid ist strahlend blau.

Die Geschichte trägt den Titel Weißer Hase und ich bin schon sehr gespannt darauf, wie ihr sie findet.