Category Archives: Geschriebene Worte

Seine Ruhe – Eine Kurzgeschichte

Achim will vor allem eins: seine Ruhe. Der junge Mann, der ihm nun gegenüber sitzt, will ihm genau das bieten. Doch die Konditionen sind nicht ganz das, was Achim sich vorgestellt hat…

Lesedauer: ca. 15 Minuten


„Sie sind der richtige Kandidat für unser Projekt.“

Der junge Mann, der da vor Achim saß, sah aus, als hätte er noch nicht einmal die Schule beendet. Das war so ein arroganter Schnösel, der sich über ihn lustig machen wollte, da war sich Achim sicher. Genauso wie alle anderen.

„Ich bin überhaupt kein Kandidat“, sagte er deshalb. „Ich verbitte mir so etwas.“

Der junge Mann vor ihm lächelte.

„Herr Lambrecht“, sagte er langsam. „Ich bin mir sicher, dass ich Ihre Meinung ändern kann. Geben Sie mir fünf Minuten Ihrer Zeit. Deswegen sind Sie doch gekommen.“

„Ich bin gekommen, weil ihr Arschlöcher mir sonst die Zuschüsse streicht“, schimpfte Achim. „So macht ihr das immer. Entweder, man tut, was ihr sagt oder die Zuschüsse sind weg. Halsabschneider.“

Er saß auf der vordersten Stuhlkante, den Gehstock fest in seiner Hand. Jederzeit könnte er aufstehen und gehen, das wusste er. Und das würde er. Wenn dieser junge Mann — dieses Kind — vorlaut wurde, dann würde er auf jeden Fall aufstehen und gehen.

Zuschüsse hin oder her.

Er konnte seine Frau Marlies sowieso nicht so lange alleine lassen.

Aber sein Gegenüber lächelte immer noch. Debil, sowas.

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Weißel – Eine Kurzgeschichte

Wenn es regnet, fliegen Bienen nicht. Beatrice wünscht sich, sie wäre auch eine Biene, denn dann müsste sie heute nicht raus. Aber manche Dinge nehmen ihren Lauf, den ewigen Kreislauf des Lebens.

Lesedauer: ca. 13 Minuten


Beatrice fehlte eine Socke.

Sie war sich nicht sicher, ob es die linke oder die rechte Socke war. Gab es überhaupt einen bestimmten Fuß, auf den so eine Socke musste? Ihre Mutter hatte ihr beigebracht, dass sie immer mit dem linken Fuß anfangen musste. Das hieße ja aber, dass, wann immer eine Socke fehlte, der rechte Fuß unbesockt bleiben musste.

Das war doch unfair.

Ihr rechter Fuß konnte doch nichts dafür, dass er einfach immer als zweites dran war.
Beatrice blickte auf ihre Füße — einer mit Socke und der andere nackt — und dann nach draußen.

Der Himmel war dunkelgrau.

Ob sie wieder zurück ins Bett kriechen durfte, wenn sie ihre Socke nicht fand? Ihr geblümtes Bettzeug sah einladend aus, auch wenn sie heute morgen sehr lange damit verbracht hatte, das Bett ordentlich zu machen. Sie hatte auch sehr lange damit verbracht, jeden Knopf ihres Kleides noch einmal auf und zu zu knöpfen. Wenn sie nur lange genug braucht, musste sie vielleicht nicht mit in die Kirche, weil sie nicht fertig war, wenn es los ging.

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Tschüss April. Hallo Bett.

Ich mache drei Kreuze, wenn der April sich heute endlich verzieht.

Versteht mich nicht falsch, der April war gut zu mir. Sehr gut sogar. Aber er hat mir auch mehr abverlangt als je ein Monat zuvor.

Da gab es einen Junggesellinnenabschied, meinen Geburtstag, Ostern, mein erstes Buch, eine Hochzeit, eine Fachtagung und… ach ja, mein erstes Buch. Hatte ich das schon erwähnt? 😉

All die großen Ereignisse mit all den vielen Menschen haben mir Stück für Stück den Verstand geraubt.

Schon letzte Woche habe ich die Spuren deutlich gemerkt. Meine Laune kannte nur zwei Modi: Draufhauen oder Zusammenrollen und Heulen.

Ich war schlicht menschenmüde.

Gesellschaft ist wie Tauchen.

Ich mag meine Familie. Ich mag meine Freunde. Ich mag auch Fachtagungen. Aber das Zusammentreffen mehrerer Menschen ist für mich immer vergleichbar mit Tauchen.

Im ersten Moment, wenn man den Kopf unter die Wasseroberfläche tunkt, ist alles toll. Aber mit der Zeit wird die Luft knapp, Schmerz setzt ein in der Lunge. Egal wie gut man die Luft anhalten kann, irgendwann muss man immer auftauchen und Sauerstoff tanken.

Das Universum hat mir glücklicherweise Freunde geschenkt, die meine Macken verstehen. Wenn ich mitten im Gespräch plötzlich „abschalte“ oder während einer Feier mal eben zehn Minuten draußen auf dem Gelände spazieren gehe, nehmen sie mir das nicht krumm.

Ich war im April verhältnismäßig lange unter Wasser. Ich habe oft die Luft angehalten und bin viel zu selten aufgetaucht. Und nun bin ich erschöpft und überglücklich über den freien Montag.

Denn heute und morgen passiert mal absolut gar nichts.

Ich esse Nudelsuppe, lese und überlege nebenbei, was ich denn jetzt genau mit Morpheus machen werde.

Menschenmüde, weltmüde, kreativmüde

Ich habe durchaus schon ein paar Wörter neu geschrieben. Ich habe die Datei neu sortiert und weiß genau, wie die Geschichte werden soll.

Aber irgendwie wollte alles nicht so kommen.

Ich habe mich in der letzten Woche durch den Entwurf gequält. Ich habe das Ziel absichtlich minimal gesetzt und immer nur mit Ach und Krach erreicht.

So sollte das eigentlich nicht laufen. Denn das Schreiben sollte doch Spaß machen. Und im Hinterkopf ist der Spaß auch durchaus vorhanden. Ich brenne darauf, die nächsten Geschichten zu formulieren.

Aber der Eimer im Kreativbrunnen scheint ein Loch zu haben.

Den muss ich dieses Wochenende erstmal reparieren.

In der Zwischenzeit habe ich eine super Leseempfehlung für euch, wenn ihr mal kurz zwischendurch abtauchen wollte. Ich habe da nämlich eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht 😉

„Nebelfäden“ ist auf Amazon als eBook und Paperback erhältlich.